Fall Litwinenko
Polonium-Spur führt weiter nach Norden

Nach der Entdeckung von Polonium-Spuren in Hamburg sind nun auch in Schleswig-Holstein Kontaminationen gefunden worden. Bei Untersuchungen wurde in einem Haus in Haselau im Kreis Pinneberg radioaktive Strahlung festgestellt. Fast gleichzeitig wurde ein Flugzeug von Germanwings sichergestellt.

HB HAMBURG. Im Fall Litvinenko beschäftigt ein zumindest zeitweise in Hamburg lebender russischer Geschäftsmann jetzt auch die deutschen Behörden. In der Hamburger Wohnung seiner Ex-Frau und dem Haus seiner Ex-Schwiegermutter im benachbarten Kreis Pinneberg wurden Spuren so genannter Alpha-Strahlung entdeckt. Eine Fein-Untersuchung sollte klären, ob sich dabei um Polonium 210 handelt, mit dem der Ex-Spion Alexander Litvinenko getötet worden war.

Im Rahmen der Ermittlungen wurde auch das Germanwings-Flugzeug, mit dem der 41-jährige Dmitri Kowtun am 1. November zu einem Treffen mit Litvinenko von Hamburg nach London geflogen war, auf dem Flughafen Köln-Bonn sichergestellt. Es sollte ebenfalls auf Strahlung untersucht werden. Nach Angaben von Germanwngs war Kowtun zumindest nicht mit dieser Fluggesellschaft zurück nach Hamburg geflogen. Nach einigen Stunden gab das Unternehmen jedoch Entwarnung: "Es wurden keine Polonium- Spuren entdeckt", sagte ein Sprecher von Germanwings.

Die Hamburger Polizei war am Samstag nach eigenen Angaben damit befasst, ein Bewegungsprofil Kowtuns zu erstellen. Von besonderem Interesse dürfte dabei sein, ob der Geschäftsmann, der sich derzeit in einer Strahlenklinik in Moskau aufhalten soll, nach seinem Treffen mit Litvinenko noch einmal nach Hamburg zurückgekehrt war. Sollte dies nicht der Fall sein, müsste er die Strahlen-Spuren schon vorher hinterlassen haben. Die Ermittler betonten gleichwohl, dass Kowtun derzeit nicht als Verdächtiger im Zusammenhang mit dem Mord an Litvinenko betrachtet werde. Die deutschen Behörden stünden aber in Verbindung mit Scotland Yard.

Angesichts des Gifttods Litvinenkos will die Moskauer Staatsanwaltschaft Ermittler nach London schicken. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte AP, sie könne noch keinen genauen Zeitpunkt für die Reise nennen. Litvinenko war am 23. November in London gestorben. Die russischen Behörden eröffneten ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes. Britische Ermittler halten sich derzeit in Moskau auf, um die Befragung wichtiger Zeugen durch die russische Polizei zu beobachten.

In Hamburg begannen Experten von Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Bundesamt für Strahlenschutz unterdessen mit der Fein-Untersuchung der Wohnung von Kowtuns Ex-Frau, wo im Bad und im Wohnzimmer Strahlen-Spuren gefunden worden waren. Bevor diese so genannten Fein-Scan starten konnte, waren alle rund 30 Bewohner des Mehrfamilienhauses aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen. Die Untersuchung, ob es sich um Polonium-Spuren handelt, kann zwei Tage dauern.

Die Ermittler waren nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Sweden durch Presseberichte vom vergangenen Montag auf die Person Kowtuns aufmerksam geworden. Der 41-Jährige war im Hamburger Stadtteil Ottensen in dem Mehrfamilienhaus gemeldet, in dem auch seine 31-jährige Ex-Frau lebte, in deren Wohnung jetzt radioaktive Spuren gefunden wurden. Im Haus seiner Ex-Schwiegermutter in Haselau im Kreis Pinneberg nördlich von Hamburg wurden nach diesen Angaben an einem Bett und einem Stuhl ebenfalls radioaktive Spuren entdeckt.

Die Ex-Frau, ihre Mutter sowie ihre zwei aus einer anderen Verbindung stammenden Kinder waren zuvor von der Polizei befragt worden und wurden von Fachleuten betreut.

Für die Bevölkerung berge die Ausweitung der Ermittlungen keine Gefahren, sagte Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD). Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos), Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Stegner seien in ständigem Kontakt und verfolgten die Ermittlungen.

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