Familiendrama in Nantes
Vermisster Vater unter Mordverdacht

Ein verschwundener 50-jähriger Familienvater wird verdächtigt, seine fünfköpfige Familie methodisch und kaltblütig umgebracht zu haben. Er wird international gesucht.
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Paris Nach der Entdeckung von fünf verscharrten Leichen einer Familie im westfranzösischen Nantes konzentriert sich die Polizei auf die Suche nach dem Vater. Der 50-Jährige ist verschwunden und gilt als tatverdächtig. Bei den im Garten eines Reihenhauses gefundenen Leichen handelt es sich um die 48 Jahre alte Frau des Gesuchten und ihre gemeinsamen vier Kinder im Alter zwischen 13 und 20 Jahren. Eine Autopsie der Leichen ergab, dass sie am 3. oder 4. April methodisch mit jeweils zwei Schüssen aus nächster Nähe im Schlaf getötet wurden.

Untersucht wird jetzt, ob die Opfer vorher betäubt worden waren. 

Die Tatwaffe, ein Gewehr, wurde noch nicht entdeckt. Der Familienvater hatte eine derartige Waffe kurz zuvor geerbt und sich bei einem Schützenverein angemeldet, obwohl er nicht als Waffennarr gilt. Er hatte sich im März offenbar auch noch mit Munition eingedeckt. Die Familie galt seit drei Wochen als vermisst. Nachbarn hatten die Polizei auf ihr Verschwinden aufmerksam gemacht. 

Nachdem Polizisten zunächst eine weitgehend geräumte und gesäuberte Wohnung vorgefunden hatten, entdeckten sie die unter der Terrasse verscharrten Leichen. Sie lagen in mit Kalk gefüllten Jute-Säcken. Auch die Kadaver der beiden Hunde wurden in dem Graben gefunden. Der Vater dagegen blieb verschwunden. Er hatte zuvor mehrfach durchblicken lassen, die Familie ziehe wegen einer beruflichen Versetzung nach Australien um. Anderen hatte er erklärt, er stehe als US-Agent unter einem Zeugenschutzprogramm. 

Sein Fahrzeug war am Karfreitag auf dem Parkplatz eines Hotels im südfranzösischen Roquebrune-sur-Argens entdeckt worden. Dort war er am 14. April abgestiegen. Zuvor wurde er beim Abheben von 30 Euro an einem Geldautomaten sowie in einem Restaurant gesehen. Augenzeugen betonten, dass der elegant gekleidete Mann beim Restaurantbesuch außergewöhnlich entspannt und gut gelaunt gewirkt hätte. Die Stadt liegt in der Nähe des früheren Wohnorts der Familie. Aus dem Ort stammt auch eine Frau, die am gleichen Tag auf unerklärliche Weise verschwand. Der Staatsanwalt sprach von einem „beunruhigenden Zufall“, wollte aber noch keine Zusammenhänge bestätigen.

 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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