Fast 30 Waldbrände in Portugal
Der Feuerteufel hat die Hand im Spiel

Der Albtraum ist wieder da. Nachdem bereits im letzten Jahr zahlreiche Waldbrände in Portugal gewütet hatten, brennen auch in diesem Jahr wieder die Wälder. Für die Brände sind nicht selten Brandstifter verantwortlich.

HB LISSABON Bei brütender Hitze und großer Trockenheit haben sich die Waldbrände in Portugal am Dienstag bedrohlich ausgeweitet. Rund 2000 Feuerwehrleute und Soldaten kämpften landesweit gegen fast 30 Großfeuer an, die vielerorts bei Rekordtemperaturen von bis zu 44,5 Grad vom starken Wind immer wieder angefacht wurden.

Am schlimmsten traf es die Gegend um Monchique an der Algarve-Küste und die Umgebung des Arrábida-Naturparks südöstlich von Lissabon. Dort mussten erneut zahlreiche Urlauber in Sicherheit gebracht und Strände gesperrt werden, teilten die Behörden mit. In vielen Fällen wird Brandstiftung vermutet. Insgesamt brannte es in 14 der 18 Bezirken des Landes.

Im Monchique-Gebirge, das als „Garten der Algarve“ gilt und für seine Heilquellen bekannt ist, waren rund 150 Feuerwehrleute und zwei Lösch-Hubschrauber im Einsatz. „Das Feuer gönnt uns keine Pause“, sagte ein Sprecher. Die Gegend nördlich von Portimão sei zudem nur schwer zugänglich. Zwei weitere Feuer wüteten weiter östlich bei Loule und Castro Marim. Touristenorte seien aber nicht bedroht, hieß es. Im Arrábida-Reservat, wo die Brände bereits 800 Hektar ökologisch wertvollen Wald vernichtet hatten, brachen die Flammen erneut aus. Das Feuer drohte auf Dutzende Häuser im Rasca-Tal überzugreifen. Der Naturpark ist für seine Wildkatzen und die einzigartige Pflanzenwelt bekannt.

Die Regierung räumte ein, dass die nach den verheerenden Feuern von 2003 gegründete Nationale Brandschutz-Agentur noch nicht einsatzbereit sei. Es herrsche Geld- und Personalmangel gestand Staatssekretär Luis Pinheiro. Die Zeitung „Correio da Manhã“ hatte zuvor enthüllt, dass die Agentur erst vor knapp vier Wochen überhaupt zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten sei. Umweltschützer und lokale Behörden sprachen von einem Skandal und warfen der Regierung Versagen vor. Die Feuerwehr erklärte, oftmals sei Brandstiftung im Spiel. Anders sei es nicht zu erklären, dass manche Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen sind.

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe bat die portugiesische Regierung die Europäische Union um Hilfe. Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich schickten daraufhin Löschflugzeuge. Hilfsangebote bekam Portugal nach Angaben aus Brüssel auch aus Deutschland, das acht Hubschrauber anbot, sowie aus Großbritannien und Norwegen. Zu der zerstörten Fläche machte die Regierung wie stets keine Angaben, in Schätzungen ist von Tausenden Hektar die Rede. Im vergangenen Sommer hatte Portugal die schwerste Brandkatastrophe seiner Geschichte erlebt. Rund 400  000 Hektar Wald - rund fünf Prozent der Landesfläche - brannten nieder, 18 Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Die Schäden wurden auf eine Milliarde Euro geschätzt.

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