Fazit des Oktoberfests
Die „Ballermann-Wiesn“ hat ausgedient

Der Bier-Durst auf der Wiesn hat nachgelassen. Statt darüber zu klagen, freuen sich die Veranstalter. Denn ihren Schnitt haben sie gemacht. Nur verlief das Oktoberfest wesentlich friedlicher als in den Vorjahren.

HB MÜNCHEN. Die Besucher leerten rund sechs Millionen Maß auf dem 172. Münchner Oktoberfest, fünf Prozent weniger als voriges Jahr. Die Gäste tranken dafür mehr nicht-alkoholische Getränke. Sie hatten auch ordentlich Hunger: 95 statt wie im Vorjahr 89 Ochsen drehten sich am Spieß. Und: Das größte Volksfest der Welt, das am Montag zu Ende ging, verlief ruhiger und weniger aggressiv als im vergangenen Jahr.

Insgesamt verzeichnete das Oktoberfest einen leichten Besucheranstieg. Rund 6,1 Millionen Gäste vergnügten sich 17 Tage lang auf der Wiesn, wie die Festleitung in ihrer Bilanz mitteilte. Wegen des Tages der Deutschen Einheit vom Montag dauerte das Fest dieses Jahr allerdings auch einen Tag länger als üblich. 2004 wurden an 16 Tagen 5,9 Millionen Besucher gezählt.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sieht in dem Trinkverhalten eine Trend-Wende: „Die Wiesn ist wieder im Sinne des Volksfestes ein Fest für alle Generationen.“ Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl bilanzierte: „Die Wiesn war kommod, sehr zünftig und sehr bayerisch.“ Erstmals wollten die Veranstalter in diesem Jahr zumindest tagsüber weg von der „Ballermann-Wiesn“ hin zu mehr Gemütlichkeit kommen.

Die Musikkapellen mussten bis 18 Uhr mit gedämpfter Lautstärke aufspielen, statt Stimmungs-Hits sollte wieder mehr Volksmusik erklingen. Viele Familien und ältere Menschen seien deshalb wieder vermehrt mittags in die Festzelte gekommen, sagte Weishäupl. „Man geht wieder zum Essen auf die Wiesn, versteht sein Gegenüber, und die anderen tanzen noch nicht auf den Tischen.“ Neben volkstümlicher Blasmusik und vielen Oldies im Musik-Programm konnte sich „Viva Bavaria“, eine Umdichtung des Kölner Karnevalsschlagers „Viva Colonia“, als Wiesn-Hit durchsetzen, gefolgt von Dauerbrennern wie „Fürstenfeld“ und „Sierra Madre“.

„Wirtschaftlich gesehen war die Wiesn ein Erfolg“, stellte Ude fest. Allerdings hätten vor allem die Schausteller unter dem regnerischen Wetter am ersten und am Abschluss-Wochenende zu leiden gehabt, ergänzte Weishäupl.

Das Rote Kreuz, mit rund 1500 Helfern vor Ort, musste sich um 7111 Patienten kümmern. Die Zahl blieb im Vergleich zu 2004 in etwa gleich. Jedoch gab es weniger schwere Verletzungen. Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Festbesucher seien gesunken, auch habe es keine Massenschlägereien gegeben, teilte das Bayerische Rote Kreuz mit. Auffällig aus Sicht der Sanitäter: Die „Bierleichen“ werden im Durchschnitt immer jünger. Die meisten der 551 Patienten, die zur Ausnüchterung ärztliche Hilfe benötigten, waren unter 30.

Auch die Polizei bestätigt: Das diesjährige Oktoberfest sei „geordneter und ruhiger“ als im Vorjahr verlaufen. In der weniger aufgeheizten Atmosphäre sei es zu deutlich weniger Streitereien und Schlägereien gekommen. Die Zahl der Einsätze ging um 39 auf 1825 zurück. 1304 Delikte - das sind 23 Prozent weniger als 2004 - wurden der Polizei gemeldet. Positiv ausgewirkt hat sich laut Polizei auch eine stärkere Videoüberwachung.

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