Felix Baumgartner

Der vernünftigste Verrückte der Welt

Es scheint, als sei Felix Baumgartner kein Sprung in die Tiefe zu riskant. Dabei fürchtet sich der Fallschirmspringer und Basejumper aus Österreich vor jedem Stunt und legt höchsten Wert auf Sicherheit.
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Ein Teufelskerl: der Pilot, Fallschirmspringer und Basejumper Felix Baumgartner. Quelle: AFP

Ein Teufelskerl: der Pilot, Fallschirmspringer und Basejumper Felix Baumgartner.

(Foto: AFP)

New York„Daredevil“ nennt man Menschen wie Felix Baumgartner in den USA, was für Draufgänger, Heißsporn oder eben Teufelskerl steht. In der Tat liest sich die Biografie des Österreichers wie die eines Mannes, der sich für unverwundbar hält. „Ich mag das Abenteuer. Aber ich bin keiner, der den Kick sucht“, sagte er vor zweieinhalb Jahren in einem Interview. Damals stellte er in New York sein wohl gewagtestes Projekt vor: das Durchbrechen der Schallmauer im freien Fall, ohne jedes Fluggerät.

Der Salzburger lernte beim Bundesheer, wie man komplizierte Absprünge macht. Doch was danach kam, wird in keiner Armee der Welt trainiert: Er sprang von der Christusstatue in Rio de Janeiro und von den Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur – jeweils der niedrigste und der höchste der sogenannten Basejumps. Kaum ein hohes Gebäude, auf das es ihn nicht treibt. Und kaum eine Polizei, die ihn deshalb nicht wegen groben Unfugs oder anderer Vorwürfe festnehmen wollte. Allerdings gilt Baumgartner auch als einer, der höchsten Wert auf Sicherheit legt. Das Risiko soll berechenbar bleiben.

Die größten Rekorde in der Luft
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Durch die Schallmauer

Als erster Mensch hat Charles Elwood „Chuck" Yeager in dem Raketenflugzeug vom Typ "Bell X-1" offiziell die Schallmauer durchbrochen. In 12.800 Metern erreichte der amerikanische Pilot am 14. Oktober 1947  über der kalifornischen Mojave-Wüste eine Geschwindigkeit von 1078 Kilometern pro Stunde (1,015 Mach).

NASA handout image of Neil Armstrong
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Mit Mann an Bord

Mit 7274 km/h, aufgestellt mit einer North American X-15, stellte der US-Amerikaner William John Knight den Geschwindigkeits-Weltrekord für ein bemanntes Flugzeug. Der Astronaut und Test-Pilot absolvierte den Flug am 3. Oktober 1967. Auf dem Bild sieht man den 2012 verstorbenen Neil Armstrong vor einer X-15.

Propeller of an Indonesia navy Nomad N22 airplane is seen in bad weather during a search operation for a missing plane in the sea around Indonesia's Sulawesi island
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Propeller-Rekord

Der Russe Iwan Suchomlin erreichte mit einer Tupolew Tu-114 am 9. April 1960 rund 877 km/h. Es war der schnellste Flug eines Turboprop-Passagier-Propellerflugzeugs.

Luftfahrtschau ILA -Publikumstag
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Die schnellste Frau in der Luft

Swetlana Jewgenjewna Sawizkaja war nicht nur die zweite Frau im All und die erste, die einen Weltraumausstieg unternahm. Die Kosmonautin stellte den Geschwindigkeitsrekord für Frauen auf. Mit einer Mikojan-Gurewitsch Je-266 flog sie am 22. Juni 1975 2684 km/h schnell.

Auf dem Bild: Ein Jagdflugzeug vom Typ Mikojan-Gurewitsch MiG-29 der polnischen Luftwaffe.

Fregatte Bremen kehrt zurück
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400 km/h im Heli

So schnell flog noch kein Hubschrauber zuvor oder danach: Trevor Egginton schaffte am 11. August 1986 in einem Lynx AH MK.1 die Geschwindigkeit von 400,87 km/h.

Auf dem Bild: Einer der beiden Bordhubschrauber vom Typ Sea Lynx der Fregatte "Bremen".

HOT AIR BALLOONS FLY OVER SUNFLOWER FIELD DURING WORLD AIR GAMES IN SEVILLE
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Von wegen nur heiße Luft

19811 Meter ist die bislang größte Höhe, zu der ein Heißluftballon mit Menschen an Bord jemals aufgestiegen ist. Möglich war dieser Höhenflug nur durch den Bau einer Druckluftkabine, in der der Ballonflieger sitzt.  Ohne eine solche Druckluftkabine stiegen der Meteorologe James Glaisher und sein Pilot Henry Coxwell bereits 1962 auf 11 300 Meter Höhe.

Glaisher wurde wegen des geringen Sauerstoffgehalts in der Luft  dabei bewusstlos. Coxwell konnte mit letzter Kraft und seinen Zähnen das Steuerventil öffnen, um den Ballon zum Absinken zu bringen. Nur dadurch überlebten die sie ihre Rekordfahrt.

Supersonic Skydiver
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Höher mit Helium
Wesentlich höher als Heißluftballone steigen mit Helium oder Wasserstoff - leichter als Luft - gefüllte Ballons auf. Rekordhalter sind dabei die beiden Amerikaner Malcolm Ross und Victor Prather, die 1961 mit einem Heliumballon über dem Golf von Mexiko auf 34 668 Meter Höhe stiegen. Das Unternehmen endete für Prather allerdings tragisch: Bei der Wasserung füllte sich sein Druckluftanzug mit Wasser, und der Fahrer ertrank.

Unbemannte Ballons übrigens kommen noch eine ganze Ecke höher.  Ohne Hilfe des Raketenantriebs erreichen sie zur Wetterbeobachtung, Klima- und Atmosphärenforschung Flughöhen von bis zu fünfzig Kilometern.

Mit einem ultradünnen Heliumballon sollte auch Baumgartner in die Höhe gebracht werden (siehe Bild).

Sein bislang spektakulärstes Projekt war 2003 das Überfliegen des Ärmelkanals - im freien Fall. Zwei Meter breite Kunststoffflügel auf seinem Rücken halfen ihm dabei.

Der Sprung aus 36 Kilometern Höhe ist um ein Vielfaches gefährlicher. „Da ist durchaus auch Furcht, wie vor jedem Absprung“, sagte Baumgartner vorab. „Aber Springen ist mein Leben und von diesem, genau diesem Sprung, habe ich mein Leben lang geträumt. Die Furcht ist deshalb kein Hindernis, sie sorgt nur dafür, dass wir es richtig machen.“

  • dpa
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