Ferdinand Piëch
In den Fußstapfen des Großvaters

Leise war Ferdinand Piëch auch auf dem Höhepunkt der VW-Korruptionsaffäre. Doch er ist der wahre Herrscher in Wolfsburg.

HB FRANKFURT. Die Stimmung ist gereizt an diesem sonnigen Oktobertag in Wolfsburg. Im großen Aufsichtsratssaal im Verwaltungsgebäude am Mittellandkanal trifft sich das Kontrollgremium von Europas größtem Autokonzern VW. Es ist die erste Sitzung nach dem Einstieg von Porsche, die erste, seit der Mann an der Spitze des Gremiums auch einer der größten Anteilseigner ist. Ferdinand Piëch ist auf dem Gipfel seiner Macht, und er genießt es. Bei seinem Gegenpart, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff dagegen liegen die Nerven blank an diesem Tag. Bewaffnet mit zwei Gutachten über die Gefahr der Interessenkollision von Piëch betritt er die Sitzung - und verlässt sie als Verlierer. Seine Angriffe perlen an dem Mann im traditionellen Manager-Outfit ab. Er bleibt ruhig und wünscht dem "Herrn Ministerpräsidenten" bei dessen Gehen noch "einen schönen Tag".

Piëch, Enkel von Ferdinand Porsche, lange Jahre Chef von VW, Vorsitzender des VW-Kontrollgremiums und Miteigentümer des VW-Großaktionärs Porsche, bleibt leise. Kein gutes Zeichen. "Denn je leiser ich werde, desto saurer bin ich", ist einer seiner Lieblingssätze.

Leise war der Ferdinand, wie er auch heute noch in Wolfsburg genannt wird, auch auf dem Höhepunkt der VW-Korruptionsaffäre. So leise, dass sich der 68-Jährige sogar fragen lassen musste, ob er überhaupt noch Aufsichtsratschef sei. Doch nur Wochen später wird klar: Der unberechenbare Ferdinand Piëch ist der wahre Herrscher in Wolfsburg. Vergeblich versuchte sein Widersacher Wulff, ihn von der Spitze des Kontrollgremiums zu verdrängen. Er sitzt fester denn je im Sattel. Wem ein Beweis fehlte, dem lieferte ihn Piëch mit der Benennung von Horst Neumann zum neuen Arbeitsdirektor von VW - gegen den Willen von VW-Chef Bernd Pischetsrieder und mit der Unterstützung der Arbeitnehmerbank.

Der gebürtige Wiener ist Kampf gewohnt. An Zweiflern und Gegnern hat es nie gemangelt. Der Diplom-Ingenieur musste schon bei seinem Start in der Familienfirma Porsche kämpfen.

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