Ferieninsel vor der Ostküste
Obama bleibt wahrscheinlich von „Bill“ verschont

Stromausfälle, Überschwemmungen: Mit Geschwindigkeiten bis zu 165 Kilometer pro Stunde ist der Hurrikan "Bill" über die Bermudas hinweggefegt. Die Sturmwarnung schloss auch die Ferieninsel Martha's Vineyard ein, wo Obama am Sonntag zusammen mit seiner Familie erwartet wird. In doppelter Hinsicht ein ungünstiger Zeitpunkt für Urlaub.

HB MIAMI. Verletzt wurde aber niemand. Am Samstag nahm der erste Hurrikan der Saison Kurs auf die Ostküste der USA. Für den Staat Massachusetts verhängten die Behörden eine Sturmwarnung, die auch für den geplanten Urlaubsort von Präsident Barack Obama galt.

Auf den Bermudas fiel am Samstag in 3 700 Haushalten der Strom aus, und mehrere Straßen im Norden wurden in Folge heftiger Regenfälle überschwemmt. Die Sandstrände des Urlaubsparadieses blieben hingegen weitgehend von "Bill" verschont. Der Flughafen wurde über Nacht geschlossen, und alle Fährverbindungen wurden bis Sonntag ausgesetzt.

Die Sturmwarnung für Massachusetts schloss auch die Ferieninsel Martha's Vineyard ein, wo Obama am (morgigen) Sonntag zusammen mit seiner Familie erwartet wird. Die Meteorologen gingen jedoch davon aus, dass "Bills" Zentrum vermutlich nicht die US-Küste erreichen wird und dass sich der Hurrikan auf seinem Kurs in Richtung Kanada bald zu einem tropischen Sturm abschwächen wird.

Dennoch ist es für Obama ein ungünstiger Zeitpunkt für Urlaub, und das in doppelter Hinsicht. Seine Kritiker werfen Obama vor, sich zur Unzeit eine Auszeit zu gönnen. Auch das Reiseziel, das exklusive Martha's Vineyards auf einer Insel im Bundesstaat Massachusetts, kommt nicht bei allen gut an. So fragt der Direktor des Instituts für politische und ausländische Beziehungen der Johns Hopkins Universität, Robert Guttman, warum Obama nicht in einer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Region Urlaub macht. "Herr Präsident, warum besuchen Sie nicht Amerikas Herzland?", schrieb Guttman im liberalen Internetdienst "Huffington Post". Stattdessen fahre die Familie Obamas ins finanziell wieder stabilisierte und florierende Neu-England.

Das Präsidialamt hielt den Kritikern entgegen, dass Obama den einwöchigen Urlaub auf dem Bauernhof aus eigener Tasche bezahlt. Die Kosten werden auf mindestens 25 000 Dollar geschätzt. Obama wolle die Zeit nutzen, um sich mit seiner Frau Michelle und den beiden Töchtern zu erholen, sagte Präsidialamtssprecher Robert Gibbs. Die Gesundheitsdebatte werde der Präsident auch in den Ferien weiterverfolgen. Obama selbst bezweifelte, dass die Öffentlichkeit ihm den Urlaub missgönne, trotz der schlechten Konjunktur.

Normalerweise neiden die US-Bürger ihren Staatschefs den Urlaub nicht, den sie traditionell im eigenen Land verbringen. Nur zu lange Ferien und die Abwesenheit bei Naturkatastrophen sorgten bisher für Kritik. So wurde Obamas Vorgänger George W. Bush heftig dafür gerügt, sich nicht zeitig genug vor Ort über die Folgen des Hurrikans "Katrina" informiert zu haben. Der frühere Präsidentenberater Stephen Hess warf zudem ein, dass ein Präsident auch im Urlaub immer Dienst und im Blickpunkt der Öffentlichkeit sei. In vielem glichen sie in ihren Ferien ganz normalen Amerikanern.

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