Fernsehproduktionen
Sender erleichtert über Streik-Ende in Hollywood

Drei Monate hatten die Drehbuchautoren nicht gearbeitet, jetzt greifen sie wieder in die Tasten. Bei RTL freut man sich auf schnellen Nachschub mit neuen amerikanischen Serien und Seifenopern. Und auch die Oscar-Gala profitiert vom Ende des Arbeitsausstandes.

KÖLN. Die deutschen Fernsehsender sind erleichtert, dass der dreimonatige Streik der Drehbuchautoren in Hollywood beendet ist. „Bis zum kommenden Jahr werden die Studios den Verzug sicher wieder aufgearbeitet haben, so dass ich für RTL 2 keine größeren Engpässe sehe“, sagte Programmdirektor Axel Kühn des Münchener Senders gestern dem Handelsblatt. „Da die US-Serien meist mit 12 bis 18 Monaten Verzögerung nach Deutschland kommen, ist unsere Versorgung in diesem Jahr mehr als gesichert.“ Auch die RTL-Sendergruppe begrüßt das Ende der Arbeitspause in Hollywood. „Wir freuen uns über das Streikende. Im Vergleich zu anderen Sendern ist RTL sowieso weniger betroffen“, sagte ein RTL-Sprecher in Köln. Die neuen Staffeln von US-Serien wie „Dr. House“ und „CSI“, die derzeit in Produktion sind, werden womöglich wegen des Streiks kürzer ausfallen. Der Sender der Medienkonzerns Bertelsmann will die Produktionslücke durch Wiederholungen ausgleichen.

Der Streik der Hollywood-Drehbuchautoren geht nun nach drei Monaten zu Ende. Gestern stimmten die Mitglieder der Autorengewerkschaft WGA bei einer Urabstimmung für eine Wiederaufnahme der Arbeit. Der Kompromiss, der mit den Studios erzielt wurde, ist allerdings für die Autoren bescheiden. Sie erhalten 1 200 Dollar für die ersten beiden Jahre aus der Internetverwertung ihrer Werke. Im dritten Jahren bekommen sie dann zwei Prozent der Bruttoeinnahmen des Verleihers. Ursprünglich wollten die Studios das Honorar für Filme und Serien im Internet auf eine einmalige Pauschale von 1 200 Dollar begrenzen. Die Autorenvertretung WGA forderte eine prozentuelle Beteiligung.

Die Vereinbarung zwischen Studios und Autoren ist von großer Bedeutung für die Branche. Die Drehbuchautoren wollten stärker an der Verwertung ihrer Urheberrechte in digitalen Medien beteiligt werden. Mit dem Kompromiss geht diese Hoffnung nur zum Teil in Erfüllung.

Bei den Filmtöchtern der großen US-Medienkonzerne herrschte gestern Erleichterung. „Am Ende hat jeder gewonnen. Es ist eine faire Übereinkunft und eine, mit der die Studios leben können und die den großen Beitrag der Autoren für die Branche anerkennt“, sagte Leslie Moonves, Vorstandschef des Fernseh- und Filmkonzerns CBS.

Nach dem Kompromiss können nun die Studios ihre Arbeit wieder aufnehmen. Wegen des Streiks konnten berühmte Serien wie „Desperate Housewives“, „Dr. House“ oder „Grey’s Anatomy“ nicht weiter gedreht werden. Die Verleihung der Oscars, die wichtigsten Auszeichnung in Hollywood, kann nun wie geplant doch am 24. Februar stattfinden. „Ich bin sehr erleichtert, dass die Männer und Frauen der Unterhaltungsindustrie nun wieder arbeiten“, sagte Sid Ganis, Chef der Oscar-Akademie.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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