Festnahme in Italien
Richter soll Examensfragen verkauft haben

Ein hochrangiger Richter aus Niedersachsen wird verdächtigt, Prüfungsfragen für das juristische Staatsexamen verkauft zu haben. Bei seiner Festnahme in Italien soll er eine Pistole und 30.000 Euro dabei gehabt haben.
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VerdenEin Richter aus Niedersachsen, der Prüfungsfragen für das juristische Staatsexamen verkauft haben soll, muss mit seiner Auslieferung aus Italien rechnen. Noch ist unklar, wann der 48-Jährige aus Mailand nach Deutschland gebracht wird. Ein Auslieferungsgesuch werde vorbereitet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, Lutz Gaebel, am Dienstag. Nach Medienberichten soll der Richter bei seiner Festnahme in Italien eine Pistole und 30 000 Euro bei sich gehabt haben. „Das kann ich offiziell nicht bestätigen“, sagte der Staatsanwalt.

Gegen den Richter, der in Celle beim Landesjustizprüfungsamt arbeitete, wird wegen Korruptionsverdachts ermittelt. Zunächst seien Auffälligkeiten und Unregelmäßigkeiten bei einzelnen Prüfungsleistungen festgestellt worden, sagte der Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums, Alexander Wiemerslage. „Das haben wir der Staatsanwaltschaft mitgeteilt.“

Daraufhin seien Anfang des Jahres die Ermittlungen ins Rollen gekommen, in der vergangenen Woche durchsuchte die Staatsanwaltschaft dann das Büro des Richters im Landesjustizprüfungsamt Celle, außerdem zwei weitere Orte. Dabei seien diverse Dinge beschlagnahmt worden, sagte der Staatsanwalt. „Die Erkenntnisse aus den Durchsuchungen haben die Hinweise so erhärtet, dass dringender Tatverdacht der Korruption bestand.“

Der 48 Jahre alte Justizbeamte setzte sich daraufhin nach Italien ab und wurde anschließend mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Nur wenige Tage später wurde er von Zielfahndern des Landeskriminalamtes aus Hannover aufgespürt und am Montag in einem Hotel in Mailand festgenommen.

In wie vielen Fällen der Richter den Inhalt von Klausuren für das zweite juristische Staatsexamen verkauft haben soll, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Aus dem Ministerium hieß es dazu lediglich, es handele sich um mehrere Fälle, in denen vermutlich Geld geflossen sein könnte. Um welche Summen es sich gehandelt haben soll, war nicht zu erfahren.

Der Richter wurde vorläufig aus dem Amt enthoben, außerdem wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Für das Prüfungsamt in Celle erhielt der Mann Hausverbot. „Die dienstrechtlichen Konsequenzen waren unumgänglich. Ein vorläufiger Verbleib des Mannes im Amt wäre nicht vertretbar gewesen“, sagte der Ministeriumssprecher.

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