Feuer-Inferno in Halberstadt
Gericht lehnt Haftantrag ab

Das Amtsgericht Halberstadt hat den Haftantrag gegen einen 55-jährigen Obdachlosen wegen des Feuer-Infernos überraschend abgelehnt. Der Mann hatte eingeräumt, mit brennender Zigarette eingeschlafen zu sein, und galt daher als tatverdächtig.

HB HALBERSTADT. Wie ein Polizeisprecher am Samstagnachmittag mitteilte, schließt das Gericht zum jetzigen Zeitpunkt eine technische Ursache für den Brand mit neun Toten in einer Obdachlosenunterkunft nicht vollständig aus. Der Tatverdächtige, der ebenfalls in den Containern wohnte, hatte eingeräumt, nach einem gemeinsamen Zechgelage in seinem Zimmer mit einer brennenden Zigarette in einem Sessel eingeschlafen zu sein. Er sei dann aufgewacht, als er Flammen in seinem Zimmer bemerkt habe.

Einen Anschlag hatten die Ermittler bereits ausgeschlossen. Weder wurden Personen in der Nähe beobachtet, noch gab es Spuren von Brandbeschleuniger. Den Ermittlern zufolge könnte die Zigarette Ursache für den verheerenden Brand gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hatte am Samstag Haftantrag wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung gegen den 55-Jährigen gestellt.

Die Obduktion der Brandopfer war bereits am Freitagabend vom gerichtsmedizinischen Institut der Universität Magdeburg abgeschlossen worden. Bisher konnte eine Person eindeutig identifiziert werden, wie die Polizei mitteilte. Die Arbeit der Sonderkommission der Polizeidirektion Halberstadt konzentrierte sich am Samstag hauptsächlich auf die Beschaffung von Vergleichs-DNA-Material. Es werde damit gerechnet, dass die eindeutige Identifizierung der weiteren acht Opfer bis Mitte übernächster Woche abgeschlossen sei.

Während der Ermittlungen wurde auch über einen Defekt an der elektrischen Anlage spekuliert. Die 1996 aufgestellten Wohncontainer hatten nach Angaben des Ordnungsamtes der Stadt eine befristete Baugenehmigung bis Mai 2006. Rauchmelder gab es demnach nicht und ihr Fehlen sei bei der letzten Kontrolle des Bauordnungsamtes im Januar 2005 nicht beanstandet worden.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Laurentiuskirche wollten die Halberstädter ebenfalls am Nachmittag den Opfern gedenken. Die Stadt in Sachsen-Anhalt richtete ein Spendenkonto „Hilfe für Obdachlose“ ein. Oberbürgermeister Harald Hausmann (parteilos) versprach, die Stadt werde die Überlebenden unterstützen: Es habe bereits Gespräche mit dem kommunalen Wohnungsunternehmen gegeben. Eine ferngeheizte Wohnung, Nahrung und Kleidung für die Verletzten stünden bereit.

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