Feuerwehr mit stundenlanger Anfahrt
Mehr als 60 Tote bei Brand in russischem Altenheim

Beim Brand eines Altenheims in Südrussland sind in der Nacht zum Dienstag mindestens 63 Menschen getötet worden. Die Feuerwehr aus der Stadt Jejsk sei länger als eine Stunde unterwegs gewesen, um das Heim in einer abgelegenen Kosakensiedlung zu erreichen.

dpa MOSKAU. Das teilte der Katastrophenschutz des Gebietes Krasnodar mit. 37 alte Menschen seien verletzt in das nächste Kreiskrankenhaus gebracht worden, meldete die Agentur Interfax. Unterdessen stieg nach dem Grubenunglück von Montag die Zahl der Opfer auf 97.

Viele der 97 Bewohner des Altenheims seien im Rauch erstickt, hieß es. Feuerwehrleute hätten den großflächigen Brand in dem Ort Kamyschewatskaja erst nach mehreren Stunden löschen können. Die Berufsfeuerwehr von Jejsk sei eine Minute nach dem Alarm aufgebrochen, habe aber zunächst 50 Kilometer fahren müssen, sagte die Behördensprecherin Tatjana Kobsarenko. Eine freiwillige Feuerwehr aus dem Nachbarort sei noch später am Unglücksort eingetroffen als die Profis.

Die Brände in öffentlichen Einrichtungen in Russland enden oft katastrophal, weil gegen den Brandschutz verstoßen wird. Fluchtwege sind häufig verstellt oder verriegelt. Im vergangenen Dezember waren 45 Frauen beim Brand einer geschlossenen Drogenklinik in Moskau ums Leben gekommen.

Einen Tag nach der schweren Methangas-Explosion in der sibirischen Kohlengrube ist derweil das Schicksal von weiteren 13 Arbeitern weiterhin ungewiss. Das teilte die Verwaltung des betroffenen Gebietes Kemerowo am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Von den insgesamt 203 Männern, die unter Tage gewesen waren, konnten 93 lebend geborgen werden. Es war das schwerste Grubenunglück in Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991.

Am Dienstagmorgen wurden immer noch Arbeiter in der Grube Uljanowskaja vermisst, sagte der russische Minister für Katastrophenschutz, Sergej Schoigu. Die Rettungsmannschaften arbeiteten sich zu den Stollen vor, die durch die Grubengasexplosion vom Vortag besonders stark zerstört worden waren. „Wir gehen vorsichtig vor“, sagte Schoigu nach Angaben der Agentur Interfax.

Zu den Toten zählte nach inoffiziellen Angaben auch ein britischer Bankfachmann, der sich unter Tage ein Bild der Sicherheitsvorkehrungen hatte machen wollen. Das Unglück in dem sibirischen Kohlerevier Kusbass war das schwerste im modernen Russland.

Die Arbeitsbedingungen der Retter in der Kohlegrube hätten sich etwas verbessert, sagte ein Vertreter der Gebietsadministration von Kemerowo: „Die Belüftung der Schachtanlage ist besser, das Gas geht zurück.“ Ärzte betreuten die Familien der betroffenen Bergarbeiter. Die 2002 in Betrieb genommene Grube Uljanowskaja bei der Stadt Nowokusnezk zählt zu den modernsten Russlands und gehört zum Firmenimperium des Oligarchen Roman Abramowitsch. Die Justiz leitete am Montag Ermittlungen wegen fahrlässiger Verletzung der Sicherheitsbestimmungen ein. Beim bislang schlimmsten Grubenunglück in Russland waren 1997 in einer anderen Schachtanlage bei Nowokusnezk 67 Bergarbeiter ums Leben gekommen.

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