Filmfestspiele von Cannes
Die „Goldene Palme“ geht erstmals nach Rumänien

Die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes geht erstmals nach Rumänien. Der Regisseur Cristian Mungiu erhielt am Sonntagabend für das Drama „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ die höchste Auszeichnung des Festivals. Der türkischstämmige Hamburger Fatih Akin (“Auf der anderen Seite“) wurde mit dem Preis für das beste Drehbuch geehrt.

HB CANNES. „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ erzählt die Geschichte einer Studentin im Rumänien in der Ceaucescu-Zeit, die sich verzweifelt darum bemüht, ihrer Freundin eine illegale Abtreibung zu ermöglichen. Mungiu, der die Goldene Palme von Jane Fonda überreicht bekam, nannte die Auszeichnung eine „gute Nachricht für die kleinen Filmemacher aus kleinen Ländern“.

„Man braucht nicht unbedingt ein großes Budget und große Stars, um eine Geschichte zu erzählen, die die Menschen hören wollen“, sagte der 39-Jährige in seiner Dankesrede. Noch vor sechs Monate habe er noch nicht genug Geld für die Dreharbeiten zusammengehabt.

Die Jury unter der Leitung des britischen Regisseurs Stephen Frears vergab den Großen Preis an die japanische Regisseurin Naomi Kawase für „Mogari No Mori“ (Der Trauerwald). Als bester Regisseur wurde der Amerikaner Julian Schnabel für seinen französischsprachigen Film „Le scaphandre et le papillon“ ausgezeichnet. Der Sonderpreis zum 60. Jahrestag des Festivals ging an Gus Van Sant, der 2003 die Goldene Palme mit „Elephant“ gewonnen hatte. In diesem Jahr stellte er „Paranoid Park“ vor, die Geschichte eines Teenagers, der versehentlich einen Menschen tötet.

Den Preis der Jury teilen sich der Zeichentrickfilm „Persepolis“ der Iranerin Marjane Satrapi und „Stellet Licht“ von Carlos Reygadas. Die Preise für die besten Schauspieler gingen an den Russen Konstantin Lavronenko (“Izgnanie“) und die Südkoreanerin Jeon Do Yeon (“Secret Sunshine“). Als beste Darsteller wurden der Russe Konstantin Lawronenko und die Südkoreanerin Jeon Do Yeon geehrt. Die Coen-Brüder gingen mit „No Country for Old Men“ leer aus.

Jane Fonda für ihr Lebenswerk ausgezeichnet

Die US-Schauspielerin Fonda erhielt für ihr Lebenswerk eine Goldene Palme geehrt. Die Auszeichnung kam etwas überraschend, denn die Organisatoren der Festspiele hatten Fonda offiziell nur zu einem Gala-Dinner in Erinnerung an ihren verstorbenen Vater Henry Fonda eingeladen. Das Festival zeigte dazu vorher noch einmal den Film „Die zwölf Geschworenen“ von 1957. Bei dem Gala-Dinner wurde Jane Fonda dann die Goldene Palme für ihr Lebenswerk überreicht. Festival-Präsident Gilles Jacob würdigte das politische Engagement der 69-Jährigen für Demokratie und Bürgerrechte. Er erwähnte dabei auch Fondas umstrittene Reise nach Nordvietnam 1972 und scherzte, er hätte auch nicht gedacht, dass das Festival einmal jemanden ehren werde, der vom FBI verfolgt worden sei.

Der französische Altstar Alain Delon erinnerte bei der Zeremonie an die vor 25 Jahren gestorbene Romy Schneider.

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