Filmindustrie
Die Krise reizt die Filmemacher

Die Zuschauer fehlen, doch das internationale Publikum nimmt den deutschen Film wieder wahr.

HB BERLIN. Der deutsche Film ist auf das internationale Parkett zurückgekehrt. Auch wenn es noch ein wenig kracht und knirscht, Filme made in Germany werden im Ausland wieder registriert.

Zwar sind deutsche Regisseure von den Erfolgen des legendären Rainer Maria Fassbinder noch weit entfernt - jenes 1982 verstorbenen Großmeisters, der zum Beispiel "Die Ehe der Maria Braun" drehte. Immerhin schaffte aber Oliver Hirschbiegels umstrittener Film "Der Untergang" in diesem Jahr eine Oscar-Nominierung. Das Werk über die letzten Tage Adolf Hitlers wurde in Frankreich und den Vereinigten Staaten gezeigt.

Und auch sonst machten deutsche Filmemacher und Schauspieler auf sich aufmerksam. Auf der Berlinale etwa bekam Schauspielerin Julia Jentsch den Silbernen Bären für die Rolle der Widerstandskämpferin Sophie Scholl in Marc Rothemunds Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage". Der Film spielt im Jahr 1943 - nach der Verhaftung der Mitglieder der "Weißen Rose". Er schildert aus der Perspektive Sophie Scholls die Verhöre, den Prozess und die Verurteilung. In einer der besten Szenen lehnt sich Sophie Scholl gegen den Präsidenten des "Volksgerichtshofes", Roland Freisler, auf und schleudert ihm ins Gesicht: "Heute hängt ihr uns, und morgen werdet ihr es sein, deren Köpfe rollen!"

Für Jentsch, die sich in Interviews gern wortkarg gibt, könnte die Rolle der Durchbruch gewesen sein. Mit Auszeichnungen wurde sie jedenfalls überhäuft: Neben dem Bären bekam sie den Deutschen Filmpreis für die beste weibliche Hauptrolle und sogar den Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin des Kontinents. Selbst der Bann, mit dem das Filmfestival in Cannes deutsche Regisseure mehr als zehn Jahre belegt zu haben schien, blieb in diesem Jahr aus. Wim Wenders, Altmeister unter den deutschen Regisseuren, durfte seinen Film "Don?t Come Knocking" über einen amerikanischen Cowboy ins Rennen schicken. Und Faith Akin, der 2004 mit "Gegen die Wand" einen Goldenen Bären auf der Berlinale geholt hatte, startete mit "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" -, wenn auch außer Konkurrenz.

Der deutsche Film ist immer dann ein Kassenschlager, wenn er auf witzigen Pfaden wandelt. In diesem Jahr allerdings kamen kaum Blödelproduktionen ins Kino. Regisseur Leander Haußmann und Schriftsteller Thomas Brussig lieferten die Militärkomödie "NVA" ab - ein Film nach dem bewährten Muster "Aufarbeitung von DDR-Vergangenheit auf komödiantische Weise".

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