Finanzinvestoren
Die ganz Großen im Visier

Seit Finanzinvestoren Milliarden-Zukäufe stemmen und selbst die Telekom Objekt der Begierde wird, ist kein Dax-Konzern mehr sicher. Bezahlbar sind Deutschlands Großkonzerne allemal.
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DÜSSELDORF. Conti, Linde und Tui: warum nicht alle drei auf einen Schlag? 28 Mrd. Euro kosten die drei Unternehmen an der Börse. So viel zahlte vor ein paar Wochen der amerikanische Finanzinvestor Blackstone, um den Büroimmobilienkonzern Equity Office Properties Trust zu kaufen. Bezahlbar sind Deutschlands Großkonzerne also allemal. Neu ist in diesem Jahr, dass sie auch jemand haben will. Das bewies Blackstone mit seinem Teileinstieg bei der Deutschen Telekom. Gut möglich, dass also bald die eine oder andere Firma vom Kurszettel des Deutschen Aktienindexes (Dax) verschwindet.

Die Gründe liegen auf dem Tisch. Ersten verfügen die von vielen reichen Privatanlegern gespeisten Private-Equity-Gesellschaften über so viel Kapital wie noch nie. Und solange Unternehmen ihre Nettogewinne jährlich um mehr als zehn Prozent steigern, Langfristdarlehen aber für weniger als die Hälfte zu haben sind, rechnen sich die meisten Übernahmen. Zumindest auf kurze Sicht.

Zweitens haben Deutschlands Konzerne im internationalen Vergleich mächtig aufgeholt. Sie steigerten ihre Nettogewinne binnen drei Jahren um mehr als das Doppelte und damit deutlich stärker als in den USA und in Rest-Europa. Grund dafür sind umfangreiche Restrukturierungen. Gemäß dem Motto, wer in der Rentabilität noch weit zurückliegt, kann auch mehr aufholen, stieg hier zu Lande die traditionell niedrige Umsatzrendite bei den Dax-30-Konzernen von mickrigen drei auf immerhin fünf Prozent. Die Top 50 der Welt schaffen eine doppelt so hohe Marge.

Genau diese Entwicklung - rasanter Anstieg und noch viel Potenzial - macht Deutschlands Konzerne zur Zielscheibe von Investoren. Positivbeispiele, wo sich also Übernahmen für Private-Equity-Gesellschaften gelohnt hätten, gibt es zuhauf. Continental kostet heute an der Börse knapp zwölf Mrd. Euro. Vor drei Jahren war der Automobilzulieferer für weniger als zwei Mrd. Euro zu haben. Wer damals zugeschlagen hätte, wäre auf eine jährliche Rendite von gut 80 Prozent gekommen.

Zugegeben, ein besseres Beispiel als Conti gibt es nicht, denn die Aktie ist die erfolgreichste im Dax. Zudem weiß niemand, ob sich das Unternehmen nach Übernahme durch einen Finanzinvestor ebenso gut geschlagen hätte. Aber ganz überraschend kommt die Entwicklung doch nicht. Schon vor gut fünf Jahren handelten viele Analysten Conti als ganz große Restrukturierungsstory. Damals mauserten sich die Hannoveraner von einem simplen Reifenhersteller zu einem Spezialisten für Brems- und Antriebssysteme für Autos. Gleichzeitig begann Conti, konsequent die Kosten zu senken und seine Gewinnmargen zu steigern.

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