Finanzkrise in Zürich
Banker geizen im Bordell

Das Rotlichtmilieu in Zürich schrumpft. Banker, die einst zu den Stammgästen der lokalen Sex-Industrie und Kabaretts gehörten, schränken ihre Ausgaben zunehmend ein. Auch die Gastronomie hat Probleme.
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ZürichDie Etablissements auf der Langstraße schließen und werden durch Hipster-Bars, Techno-Clubs und sogar eine Herberge für Rucksacktouristen ersetzt. Das Sex-Geschäft ist wie auch die Finanzbranche dazu übergegangen, sich in Zurückhaltung zu üben. „Die Zeiten haben sich geändert”, sagt Kevin Joliat, Geschäftsführer des Nachtclubs Petit Prince im Zentrum von Zürich. „Die Banker müssen nun wirklich aufzeigen, wer der Kunde war, warum sie das Geld ausgegeben haben und ob das wirklich nötig gewesen ist”, erklärt Joliat, der früher mal für die Zürcher Kantonalbank gearbeitet hatte.

Der Niedergang der erotischen Unterhaltung unterstreicht einen kulturellen Wandel in Zürich, während die Stellen im Bankensektor zurückgehen und sich die öffentliche Meinung gegen überhöhte Bonuszahlungen richtet. Das hat zusammen mit den kleineren Budgets für die Unterhaltung von Kunden die Clubs und Bars einer wichtigen Kundenbasis beraubt.

Bei den Banken seien die Spesenrichtlinien restriktiver geworden, stellt Balz Stückelberger fest, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Banken in der Schweiz mit Sitz in Basel. „Es mag aber auch mit Sparen zu tun haben, dass man heute gezielter vorgeht, mit mehr Prozessen und Reglementen”, sagt Stückelberger. „Und in denen kommt dann einfach ein Nachtklub nicht vor.”

Während in New York die Polizei die Prostituierten vom Times Square vertrieb und in London das Vergnügungsviertel Soho von einem Immobilien-Boom übermannt wird, leidet das Rotlichtmilieu in Zürich auch unter den Auswirkungen der Bankenkrise von 2008. Damals musste die UBS AG, die größte Schweizer Bank, vom Steuerzahler gerettet werden.

Seit 2009 ist die Zahl der Vollzeitkräfte bei Finanzdienstleistern in der Schweiz um 6000 auf 105.000 gefallen, zeigen Statistiken der Schweizerischen Nationalbank. Auch der Anteil der Bankenbranche an der nationalen Wirtschaft hat sich dem Forschungsinstitut BAK Basel zufolge verringert.

In Zürich ist die Straßenprostitution in bestimmten Gegenden und zu vorgegebenen Zeiten erlaubt. Jeder Sexarbeiter benötigt eine Prostitutionsgewerbebewilligung der Polizei, wie aus dem Handbuch Straßenstrich der Stadt hervorgeht.

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  • Wenn jemand durch die Boni abgezockt wird, dann sind es in erster Linie die Aktionäre, also die Beteiligten bzw. Eigentümer. Denn die Banken-Manager haben gegen die Interessen der Eigentümer das Betriebsvermögen vernichtet (siehe Aktienkurs-Entwicklung von minus 50-85%), der Branche und den Unternehmen irrsinnige Image-Schäden zugefügt, und sich dabei persönlich noch selbst bereichert und belohnt (und tun es wohl auch weiterhin, wo es geht).

    Es trifft dabei aber auch die Richtigen. Denn der/die Eigentümer geben die Geschäftspolitik vor und überwachen schließlich per Hauptversammlung und eingesetztem Aufsichtsrat die Unternehmens-Führungen, sprich Manager des operativen Geschäfts. Also meinerseits kein Mitleid. Aber alles auf so billige Parolen zu reduzieren wie "die armen Bankkunden werden abgezockt" o.ä. ist mir zu simpel und plump...

  • Wieso sollen die Bankkunden die Bordellbesuchen bezahlen? Reichen den abzockenden, versagenden Banker nicht mehr die Boni, widerrechtlich genommen, bezahlt von den Bankkunden??

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