Fipronil-Skandal Das belastete Ei zieht durch Europa

In Deutschland sollen die Verbraucher wieder mit ruhigem Gewissen Eier kaufen können. Auch Aldi füllt seine Regale wieder auf. Einige Länder erfahren aber erst jetzt, wie groß das Problem für sie ist.
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Durch Untersuchungen im Labor wird klar, wo die belasteten Eier überall in Europa gelandet sind. Quelle: Reuters
Fipronil-Skandal

Durch Untersuchungen im Labor wird klar, wo die belasteten Eier überall in Europa gelandet sind.

(Foto: Reuters)

Mülheim/EssenDer Skandal um mit Fipronil belastete Eier zieht in Europa immer weitere Kreise – deutsche Verbraucher sollen dagegen mit mehr geprüften Eiern in den Regalen rechnen können. Die Discounter Aldi Nord und Süd haben Eier wieder ins Angebot aufgenommen, nachdem sie Ende vergangener Woche sämtliche Eier vorsorglich verbannt hatten. Nur in Einzelfällen könne es noch zu Engpässen kommen, teilten die Supermarktketten mit. Die Eier, die jetzt in den Verkauf gehen, sollen auf das Insektizid getestet sein. In einigen Ländern kommt das Ausmaß betroffener Lieferungen aber gerade erst ans Licht – und die Ermittlungen werden konkreter.

Nach Deutschland wurden laut Bundeslandwirtschaftsministerium „rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden (...) geliefert“, wie die „Rheinische Post“ (Freitag) unter Berufung auf eine Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion berichtet. Zuvor hatte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) bereits von mutmaßlich zehn Millionen betroffenen Eiern gesprochen.

20 Tonnen mit Fipronil belastete Eier wurden zudem nach Dänemark geliefert. Das teilte die Behörde für Lebensmittelsicherheit am Donnerstagabend mit. Eine dänische Firma habe die gepellten und gekochten Eier von einem belgischen Händler bezogen – produziert wurden die Eier demnach aber in den Niederlanden. Die Belastung mit dem Insektengift sei zwar nicht gesundheitsschädlich, aber zu hoch für den Verkauf.

Großbritannien geht mittlerweile von 700.000 belasteten Eiern aus, die importiert wurden. Das ist etwa 33 Mal so viel wie zunächst angenommen. Rumänien teilte am Donnerstagabend mit, die Behörden hätten eine Tonne flüssiges Eigelb mit Fipronil-Belastung sichergestellt – geliefert wurde die Ware demnach aus Deutschland. Das Eigelb soll nun verbrannt werden.

In Österreich verkauften zwei Großhändler Hunderte Kilo gekochter und geschälter Eier aus den Niederlanden, die mutmaßlich belastet sind, wie die Lebensmittelaufsicht mitteilte. Eine Rückrufaktion laufe. Für die Chargen hatte es demnach in Deutschland eine Warnung gegeben.

In Frankreich sind laut Landwirtschaftsministerium bislang nur Eier betroffen, die zur Weiterverarbeitung bestimmt waren. Fünf Betriebe haben demzufolge insgesamt 1,7 Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden und aus Belgien bekommen. Auch Luxemburg, Schweden und die Schweiz sind vom Skandal betroffen – Spanien, Portugal und Italien nach ersten Erkenntnissen hingegen nicht.

Von Pferdelasagne und Ehec-Sprossen
2017: Läusegift auf Eiern
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Der Skandal um möglicherweise mit dem Insketizid Fipronil belastete Eier beschäftigt Deutschland in diesem Sommer. Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. Fipronil war über das Anti-Läusemittel Dega-16 in die Eier gelangt. Das Mittel beruht eigentlich nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt, obwohl das Mittel für die Geflügelzucht verboten ist. Aldi nahm unterdessen sämtliche Eier aus dem Verkauf.

2016: Plastik im Schokomantel
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Abermillionen Schokoriegel mussten in die Werkstatt – sozusagen. Nachdem eine Kundin in einem Mars-Riegel auf ein Stück Plastik gebissen hatte, begann der Hersteller mit einer gigantischen Rückruf-Aktion. Sie galt für alle Staaten der Europäischen Union, mit Ausnahme von Bulgarien und Luxemburg. Betroffen waren Riegel der Marken Mars und Snickers; zudem alle Produkte der Marke Milky Way Minis und Miniatures sowie mehrere Celebrations-Mischungen mit diesem Mindesthaltbarkeitsdatum.

2016: Glyphosat und Malz, Gott erhalt's
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Pro Jahr konsumiert ein Deutscher durchschnittlich 107 Liter Bier. Und damit nicht nur, streng nach dem deutschen Reinheitsgebot, Wasser, Hopfen, Hefe und Malz, sondern auch noch eine gerüttelte Menge Glyphosat – das weltweit meist eingesetzte Pestizid. In deutschen Bieren wurden Mikrogrammwerte deutlich über den Grenzwerten für Trinkwasser gemessen, im krassesten Fall 300-fach über dem Grenzwert. Direkte Gefahr für die Gesundheit besteht allerdings nicht.

2014: Dänischer Wurstskandal erreicht Deutschland
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In Dänemark stellte sich 2014 heraus, dass Produkte des Wurstherstellers Jørn A. Rullepølser mit Listerien-Bakterien verseucht waren. Listerien sind für gesunde Menschen in aller Regel ungefährlich, allerdings ein Risiko für immungeschwächte Personen und schwangere Frauen. In Dänemark starben innerhalb von 30 Tagen zwölf Menschen, 15 weitere erkrankten. Der Betrieb wurde geschlossen, die Produkte zurückgerufen. 160 Kilogramm waren auch an einen deutschen Supermarkt in Schleswig-Holstein an der dänischen Grenze gegangen – sie waren bereits verkauft, bevor sie sichergestellt worden konnten. Verbraucher wurden gebeten, die Wurst zu vernichten oder zurückzugeben.

2014: Käse mit Coli
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Das Unternehmen Vallée-Verte rief die zwei Käsesorten „Saint Marcellin“ und „Saint Felicien“ zurück. In den Produkten der französischen Käserei Fromageries L'Etoile wurden Coli-Bakterien nachgewiesen. Diese können innerhalb einer Woche nach Verzehr zu teils blutigem Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen sowie Fieber führen. Gerade bei Kindern besteht außerdem die Gefahr von Nierenkomplikationen.

2014: Von wegen Edel-Hähnchen
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2014 deckte die „Zeit“ auf: Das Neuland-Gütesiegel, gegründet vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft, als ganz besonderes Qualitätssiegel hielt bei Brathühnchen nicht so ganz, was es versprach. Eigentlich sollten Neulandtiere aus Freilandhaltung stammen, gefüttert mit Körnern aus der Region. Tatsächlich stammen in Norddeutschland viele Tiere aus einem ganz gewöhnlichen industriellen Schlachtbetrieb in Niedersachsen.

2013: Pferd in der Lasagne
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Zusammen mit der Ehec-Epidemie wohl der aufsehenerregendste Lebensmittel-Skandal der vergangenen Jahre: 2013 stellte sich heraus, das Rindfleisch in mehreren Fertiglasagnen aus der Tiefkühlung war eigentlich Pferd. Im Anschluss wurden in Labortests rund 70 Fälle von falsch etikettierten Fertigprodukten nachgewiesen. Die größte Menge an Pferdelasagne gab es in Nordrhein-Westfalen mit 27 Fällen, gefolgt von Hessen (13), Baden-Württemberg (8) und Bayern (8). Weitere betroffene Länder waren Mecklenburg-Vorpommern (5), Brandenburg (4) und Hamburg (2).

Fipronil wird etwa bei Hunden gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU aber verboten. In hohen Dosen kann die Substanz für Menschen gefährlich sein. Wie sie genau wirkt, ist nicht bekannt. Nach ersten Erkenntnissen gab es laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keine Befunde mit einem möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei.

Am Donnerstag nahm die niederländische Polizei in dem Skandal zwei Manager des Unternehmens ChickFriend fest, das im Zentrum der Ermittlungen steht. Die Männer stehen unter Verdacht, bei der Säuberung von Hühnerställen bewusst Fipronil eingesetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit sowie den Besitz verbotener Substanzen vor. ChickFriend schweigt seit Tagen zu den Vorwürfen.

Die Festnahmen erfolgten nach Angaben der Ermittler im Zuge einer koordinierten Razzia in den Niederlanden und Belgien. Alle rund 180 niederländischen Eierproduzenten, bei denen mit Fipronil belastete Eier gefunden wurden, waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge Kunden von ChickFriend.

  • dpa
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