Fit und heiter
Wider das Dunkle

Winterfestigkeit für Körper, Geist und Seele – nichts hilft so gut gegen den Winterblues wie Naschwerk. Hier stehen weitere verblüffend einfache Tipps, wie Sie fit und heiter durch die wenig lichtvollen Monate kommen.

DÜSSELDORF. Um „mehr Licht“, soll Johann Wolfgang Goethe auf dem Totenbett in Weimar gebeten haben, was möglicherweise mit der jahreszeitlich zu erklärenden Dunkelheit zusammenhing – es war gerade einen Tag nach dem kalendarischen Winterende des Jahres 1832. Vielleicht aber auch mit einer winterbedingten Schwermut, gegen die Lichttherapie wirksam sein soll und die nicht nur alte und moribunde Männer zwischen November und März übermannt.

Das ist die Zeit, wenn wir die sogenannte Winterdepression nehmen, deren Kürzel in der Fachsprache an transatlantische Eingreiftruppen erinnert – SAD, eine wortspielende Abkürzung, die im Englischen auch „traurig“ bedeutet, im Deutschen „Springer-Auslandsdienst“. Aber das nur nebenbei.

Zwar hassen wir es das ganze Jahr über, aufstehen zu müssen – aber im Winter ist dies wenigstens Teil eines elegant klingenden Phänomens: „Seasonal depressions“ sind als Small-Talk-Themen so erstklassig beliebt wie als Ausreden, zum Beispiel bei Einladungen zu einem Schubert-Liederabend: „Tut mir leid, wenn Sie wüssten, was ich sowieso schon alles um die Ohren habe ...“

Licht, heißt es unter Fachleuten wie gläubigen Laien, sei wirksam gegen all die Lustlosigkeiten und Macht-doch-was-ihr-wollt-Haltungen im Winterdunkeln. 10 000 Lux sollen dagegen helfen, denen man sich bitte schön rund 30 Minuten am Tag aussetzen möge. Anwender dieser Methode berichten darüber, dass solche Lichtduschen ihre Depressionen eher noch verstärkt hätten: Sie waren beim Versuch, die Sache zu forcieren, den angeblich Wonne bergenden Lampenfassungen zu nahe gekommen und hatten sich Teile ihrer Nasenhaut verschmurgelt.

Andere wiederum würdigen die Lichtmedizin als durchaus erhellend, zumindest für ihr Gemüt. Er selbst, schreibt einer im Internet, habe „mit einer Metalldampflampe (MH, nicht HPS), die normalerweise für die Beleuchtung von Pflanzen dient“, ordentliche Erfahrungen gemacht. Wenn schon nicht der Cholesterin-, dann stimmt bei ihm wenigstens jetzt der Chlorophyll-Spiegel. Immer, wenn die Fachmedizin entweder nichts Genaues weiß oder irgendwie generell nicht weiterweiß, dann rät sie zu „Spaziergängen im Freien“ – so auch bei sog. Patienten mit sog. Symptomen von sog. Winterdepression. Der Tipp „Spaziergang“ deutet erstens darauf hin, dass die viel zitierten Winterdepressionen vielleicht wirklich nichts anderes sind als ein Angebersymptom und nichts weiter als die Unlust aufs frühe Aufstehen im Morgendunkel.

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