Flammen in Europa
Tropen-Hitze verabschiedet sich mit Rekorden

Mit neuen Rekordwerten nähert sich die Tropen-Hitze in Deutschland allmählich ihrem Ende. In Südeuropa bedrohen Waldbrände dagegen weiter mehrere Touristenhochburgen. Zwischen Flensburg und Passau soll es in der zweiten Wochenhälfte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deutlich abkühlen, die Trockenheit wird allerdings nur am Mittwoch durch leichte Niederschläge gelindert.

HB/dpa HAMBURG. OFFENBACH. Am Wochenende ließ die Hitze mit Spitzen über 40 Grad die Ozonbelastung erneut in die Höhe schnellen. Weitere Waldbrände wüteten unterdessen auf der spanischen Ferieninsel Mallorca, in der portugiesischen Ferienregion Algarve, auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika und im Hinterland von Nizza.

Rekordtemperaturen nahmen den Menschen in Deutschland und Großbritannien den Atem: Am Samstag meldete der DWD eine Temperatur von 40,4 Grad im mittelfränkischen Roth. Am Freitag war der alte deutsche Hitzerekord vom 27. Juli 1983, der damals bei 40,2 Grad lag, gefallen. Der Bochumer Wetterdienst Meteomedia maß im saarländischen Perl-Nennig 40,8 Grad. In Grossbritannien war es am Sonntag so heiß wie niemals zuvor: Am Londoner Flughafen Heathrow wurde ein Rekord von 37,9 Grad Celsius gemessen - bisherige britische Höchstmarke: 37,1 Grad im August 1990. Ein Buchmacher muss nun umgerechnet 355 000 Euro zahlen - die meisten hatten die „Höllen-Werte“ nicht für möglich gehalten.

Die Wasserstände von Elbe und Rhein sanken weiter - am Rhein in Düsseldorf unter die Ein-Meter-Marke. Vielerorts - unter anderem in Brandenburg und Franken - flackerten kleinere Feuer auf.

Ein Traumwochenende brachte die Sonne den Frei- und Seebädern in Deutschland. Die Strände an Nord- und Ostsee waren überfüllt. An der gesamten Ostseeküste konnte das Badeverbot aufgehoben werden, das wegen vermehrter Blaualgenbildung vielerorts verhängt worden war.

Albtraumszenen dagegen in Südeuropa und Kanada, auch wenn etliche Brände mittlerweile unter Kontrolle sind: In Portugal loderten die Flammen bei Portimão in der südlichen Ferienregion Algarve, die bisher von den Bränden verschont geblieben war. Bei den seit zwei Wochen anhaltenden Bränden in Portugal wurden 15 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Die Regierung in Lissabon bezifferte das Ausmaß der Schäden auf fast eine Milliarde Euro.

Waldbrände im Süden

Ein Waldbrand auf der spanischen Ferieninsel Mallorca vernichtete mehr als 120 Hektar ökologisch wertvolle Pinienwälder. Rund 150 Menschen, darunter auch mehrere Urlauber, mussten vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Die Löschmannschaften brachten das Feuer unter Kontrolle.

In Italien war die Feuerwehr am Wochenende zeitweise bei 24 Wald- und Buschbränden im Einsatz. Die zumeist kleineren Feuer loderten an der Ligurischen Küste, in der Nähe von Florenz und in den Regionen um Neapel und Rom. Der Brand bei Lucéram im Hinterland von Nizza an der Côte d'Azur wütete auch am Sonntag weiter, bedrohte allerdings keine Häuser. Auch auf der Mittelmeerinsel Korsika brannte es.

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi forderte nach italienischen Presseberichten eine europäische Einsatzgruppe gegen Waldbrände. „Wir brauchen eine europäische Task-Force gegen die Feuer“, sagte Prodi nach Angaben der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ vom Sonntag. Papst Johannes Paul II. verurteilte die Brandstifter der derzeitigen Feuerbrünste in Südeuropa. Zugleich rief er die Gläubigen am Sonntag auf, um Regen zu beten.

Krisensitzung in Frankreich

In Kanada musste die Feuerwehr - unterstützt vom Militär und freiwilligen Helfern - 577 Feuer auf einer Fläche von 550 Quadratkilometern bekämpfen. Die letzten der 3500 aus der Umgebung der Stadt Kamloops in British-Columbia geflüchteten Anwohner durften am Wochenende wieder zurückkehren. Einige mussten jedoch feststellen, dass ihr Häuser vom Feuer zerstört worden waren.

In Frankreich will Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Montag in einer Krisensitzung mit den zuständigen Ressortministern die Folgen der extremen Hitzeperiode auf die Stromversorgung erörtern. Die Lage sei ernst, auch wenn noch keine Energie-Knappheit drohe, sagte die Industrie-Ministerin Nicole Fontaine der Zeitung „Journal du Dimanche“. In Frankreich mussten Atomkraftwerke bereits ihre Produktion drosseln. Auch zahlreiche deutsche Reaktoren müssen nach Angaben von Energiekonzernen mit gedrosselter Leistung arbeiten, weil ihr Kühlwasser die Flüsse sonst zu sehr erhitzen würde.

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