Flaschen- und Dosenverbot auf Kundgebungen
1. Mai in Berlin: Trotz Beschwörung flammt die Gewalt wieder auf

Die Polizei in der Hauptstadt war nicht zögerlich und griff Flaschenwerfer und Randalierer schnell aus der Menge. Doch damit war schon in der Walpurgisnacht die schöne Vision von einem völlig friedlichen 1. Mai in der Hauptstadt dahin.

HB BERLIN. Zwar gelang es dem Riesenaufgebot an Ordnungshütern, die Lage am Boxhagener Platz im östlichen Stadtteil Friedrichshain schnell zu beruhigen. Doch die erste Einschätzung der Polizei, dass es so friedlich wie schon lange nicht mehr war, musste später korrigiert werden. Immerhin wurden 119 Störer festgenommen, weit mehr als im Vorjahr.

Schon Wochen vor dem jährlichen Gewaltritual hatten die Sicherheitskräfte in diesem Jahr besonders gebetsmühlenartig einen friedlichen 1. Mai beschworen. Dafür gab es zwei Gründe. Genau vor 20 Jahren hatte es die ersten großen Ausschreitungen an einem 1. Mai in Kreuzberg gegeben. Außerdem wurde befürchtet, dass die Gegner des G8- Gipfels in Heiligendamm Anfang Juni den Tag in Berlin als Generalprobe für die Proteste an der Ostsee nutzen könnten.

Rund 5 000 Polizisten standen für den Abend des 1. Mai in Kreuzberg bereit. Nach Einbruch der Dunkelheit war es hier seit 20 Jahren immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. Am Nachmittag beobachteten Augenzeugen, dass ein Drogeriemarkt mit Steinen beworfen wurde - oftmals schon hatten die Ausschreitungen mit solchen Plänkeleien begonnen.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) rechnete aber nicht damit, dass trotz des bevorstehenden G8-Gipfels der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands in Heiligendamm Gewalttaten bevorstünden. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Demonstranten aus anderen Städten nach Berlin reisten, sagte Körting im Vorfeld.

Polizeipräsident Dieter Glietsch setzt auch auf einen Mentalitätswechsel bei der Bevölkerung. „Die Menschen wollen die Krawalle nicht mehr“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er vertraut weiter auf sein Konzept der Deeskalation: Zurückhaltung, aber schnelles Eingreifen bei Straftaten ist das Motto. Auch in der Walpurgisnacht sei das aufgegangen, der Schaden hielt sich in Grenzen: 15 leicht verletzte Polizisten und vier in Brand gesetzte Autos erscheinen im Vergleich zu früheren Jahren als nicht ausufernd.

Im legendären Kreuzberger Kiez SO 36 roch es am späten Nachmittag des 1. Mai eher nach Bratwurst als nach Revolution. Das traditionelle große Straßenfest „Myfest“, organisiert von Anwohnern und Bezirksamt, sollte verhindern, dass sich Gewalt ausbreitet.

Von den politischen Kundgebungen bekamen die meisten Besucher des Festes nicht viel mit: Die 3 000 Teilnehmer der Mayday-Parade gegen Kapitalismus und soziale Ungerechtigkeit wurden von der Polizei in großem Abstand an der Festmeile vorbei gelotst. Lediglich ein Protestzug linksextremer Gruppen durfte mit Spruchbändern durch das Myfest ziehen.

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