Florierende Wilderei
Rhinohorn – teurer als ein Kilo Gold

Die illegale Jagd hat dramatisch zugenommen. Vor allem in Südostasien versprechen sich viele vom Handel mit dem Horn gute Geschäfte. Allein in Südafrika sind 2012 bereits 560 Nashörner blutig abgeschlachtet worden.
  • 7

KapstadtAuf den ersten Blick sieht das Objekt der Begierde fast hässlich aus. Es ist hart, aus dem gleichen Material wie ein Fingernagel und eigentlich kaum mehr als ein Bündel fest zusammengeklebter Haare. Dennoch kostet ein Kilo Rhinohorn mehr als sein Äquivalent in Gold: Bis zu 60.000 Dollar werden in Südostasien für das vermeintliche Heil- und Potenzmittel gezahlt - mehr als für ein Kilo des gelben Metalls, das „nur“ rund 50.000 Dollar wert ist.

Kein Wunder, dass der illegale Handel mit dem Horn seit ein paar Jahren floriert. Mehr als 550 Nashörner sind in diesem Jahr in Südafrika bereits gewildert worden, allein sieben davon bei einem grausamen Massaker letzte Woche auf einer Wildfarm 120 Kilometer westlich von Johannesburg.

Bis zum Jahresende dürfte die Zahl auf weit über 600 steigen – ein einsamer Rekord (2011: 448 Nashörner; 2010: 333). So verheerend ist die Lage inzwischen, dass in der Provinz Nordwest nun die Armee zum Schutz der Dickhäuter mobilisiert werden soll.

Noch stehen die Nashörner zwar nicht direkt vor der Ausrottung. Insgesamt leben in Südafrika noch immer rund 20.000 Breitmaulnashörner und fast 5000 Spitzmaulnashörner, überwiegend im Krüger-Nationalpark an der durchlässigen Grenze nach Mosambik. Doch wenn die Entwicklung so weitergeht wie in den vergangenen sechs Monaten, dann werden bald mehr Tiere getötet, als geboren werden beziehungsweise auf natürliche Weise sterben (rund 400 im Jahr). Es ist ein Kampf gegen die Zeit.

Angesichts der besorgniserregenden Lage gibt Südafrika mittlerweile viel Geld für den Kampf gegen die Wilderei aus. Auch haben am Kap die „Hawks“, eine Sondereinheit der Polizei zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, nun alle Ermittlungen im Kampf gegen die Wilderei übernommen. Seitdem ist die Zahl der Verhaftungen leicht gestiegen, auch wenn der Polizei oft nur die kleinen Fische und nur selten die Hintermänner ins Netz gehen.

Vor kurzem erwischten die Ermittler jedoch zumindest einen der Drahtzieher: Der aus Thailand stammende Geschäftsmann Chumling Lemtongthai wurde Mitte November von einem Gericht der Wilderei von Nashörnern und der illegalen Ausfuhr der Hörner für schuldig befunden und zu 40 Jahren Haft verurteilt – die höchste je in Südafrika wegen Wilderei verhängte Strafe.

Unter anderem konnte dem 44-Jährigen nachgewiesen werden, dass er mehr als 200 Nashörner illegal abschießen ließ. Dafür beantragte er legale Abschusslizenzen und benutzte dafür die Namen von zuvor aus Thailand eingeflogenen Prostituierten, die von ihm als Großwildjägerinnen eingetragen worden waren. Eigentlich ist die Nashornjagd an strenge Auflagen gebunden: Grundsätzlich wird nur eine Lizenz pro Jäger erlaubt, die rund 70.000 Dollar kostet.

Seite 1:

Rhinohorn – teurer als ein Kilo Gold

Seite 2:

Seeohren gegen Drogen

Kommentare zu " Florierende Wilderei: Rhinohorn – teurer als ein Kilo Gold"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie kann man eigentlich das Horn eines Nashorns von dem einer Kuh unterscheiden ? Ich hole mir vom Schlachthof ein paar Hörner von Ochsen oder Kühen, bearbeite die etwas, male sie evtl noch an und verkaufe sie das Stück für 50.000 Euro. Das darauf noch keiner gekommen ist ?

  • Danke, dass Sie sich dieses Themas angenommen haben, liebes HB. Es gibt inzwischen ein von Tierärzten in Zusammenarbeit mit Tierschützern eingesetztes Mittel, das auf das Horn gestrichen wird und dieses dann für das Tier schmerzfrei zerstört. Der Kern des Problems lässt sich so aber nicht lösen, denn wenn das eine Tier ausgerottet wurde, kommt das nächste dran. Der Kern des Problems liegt in dem mangelnden Respekt vor und in der mangelnden Liebe zu der Schöpfung. Dieser Mangel ist nicht nur in Asien ausgeprägt: Die Tiere in den Tierfabriken, die wir als "Nutz-" oder "Schlachttiere" zu bezeichnen, leiden lebenslang unaussprechliche Qualen und sind vor ihrem oft qualvollen Tod (die Betäubung klappt bei dem Akkordtempo in den Schlachthöfen oft nicht, und dann werden die Tiere bei vollem Bewusstsein aufgeschlitzt und gebrüht) nicht in Freiheit. Erst wenn wir endlich begreifen, dass wir ein Teil der Natur sind, die wir zerstören, wenn wir sie weiter zu beherrschen versuchen, wird sich etwas ändern. Das heißt, wir müssen endlich begreifen, dass ein Verbrechen an den Tieren genauso schwerwiegend wie ein Verbrechen an Menschen ist, und wir müssen es genauso hart bestrafen. Berta von Suttner hatte recht mit ihrem Satz, dass es so lange Kriege geben wird, wie es Schlachthäuser gibt, [...]. Und es ist kein Zufall, dass fast alle Massenmörder eine blutige Karriere als Tierquäler [...] hinter sich haben. Jeder von uns kann täglich auf seinem Teller die Lehren hieraus ziehen. Es ist ganz einfach, und gesünder und lecker ist es auch. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Schrecklich, wenn man sich das hier so mit den armen Nashörnern ansehen muss
    Diese armen Tiere, die tun mir echt leid

    Das alles ist fast so schrecklich, wie es an dt. Schlachthäusern zugeht, wen dort die Schweine und Rinder abgeschlachtet werden.

    P E R V E R S

    diese Leichenesser.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%