Flucht und Haftbefehl
Brasiliens Justiz jagt Milliardär Batista

Eike Batista war einst einer der reichsten Menschen der Welt. Jetzt ist der Multimilliardär auf der Flucht vor der brasilianischen Justiz. Es geht um die WM 2014, Untreue – und einen beschlagnahmten Lamborghini.
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SalvadorSein Abstieg jetzt ist so spektakulär, wie vorher sein Aufstieg: In den fünf Jahren bis März 2012 kletterte Eike Batista auf der weltweiten Milliardärs-Liste von Forbes zum achtreichsten Menschen hinauf. In den fünf Jahren seitdem hat er nicht nur den Konkurs seines Bergbau-Öl-Energie-Logistik-Imperiums erlebt. Der 60-jährige wird seit Donnerstag international mit Haftbefehl gesucht. Die Bundespolizei hat ihn in seinem Haus in Rio de Janeiro nicht angetroffen. Batista soll mit seinem deutschen Pass in die USA ausgereist sein, den er wegen seiner deutschen Mutter besitzt. Er wolle sich schnellstmöglich der Justiz stellen, sagt sein Anwalt. Sicherheitshalber beschlagnahmte die Polizei direkt den Lamborghini, den Batista in seinem Wohnzimmer ausstellte wie ein Möbelstück, sowie seinen Porsche Cayenne.

Batista wird vorgeworfen, Sérgio Cabral, dem Ex-Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro über fingierte Kaufverträge 16,5 Millionen Dollar zugeschoben zu haben. Cabral selbst und seine Frau sitzen seit November in Untersuchungshaft. Sie sollen 100 Millionen Dollar auf private Konten abgezweigt haben: Vor allem von den Baukonzernen, welche die Stadt am Zuckerhut für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele letztes Jahr umgebaut haben. Bisher brüstete sich Batista immer damit, dass er nicht in die Korruptionsaffäre um den Konzern Petrobras verwickelt werden könne, weil er nicht geschmiert habe. Batista stellte sich gerne als den Entrepreneur dar, der sein Bergbau-Öl-Logistik-Energie-Imperium mit eigenem Geld und an der Börse eingenommen Kapital der Investoren aufgebaut hat. Er habe einen der größten Bergbaukonzerne Brasiliens geschaffen ohne ein einziges Mal mit dem Minister für Bergbau und Energie gesprochen zu haben, erklärte er gerne.

Doch die Distanz zum Staat nahm ihm niemand ab. Batista war vom Wohlwollen der Regierenden und deren Bürokraten abhängig: Sein Imperium brauchte öffentliche Genehmigungen und Lizenzen. Umgerechnet etwa drei Milliarden Dollar an Krediten bekam er zudem von der staatlichen Entwicklungsbank BNDES.

Deswegen spendete Batista öffentlich und großzügig an alle Politiker – vom Präsidenten Lula im Wahlkampf genauso wie dessen politischen Gegner. Der schon in seiner Amtszeit in der Bevölkerung wegen der offensichtlichen Korruption unbeliebte Cabral und seine Frau nutzten die Flugzeuge des Milliardärs wie ihre eigenen Privatjets. Bisher konnten Batistas Anwälte zahlreiche Anklagen gegen Batista abwehren. Das dürfte nun schwer fallen. Möglicherweise interessiert sich auch die US-Staatsanwaltschaft für Insidergeschäfte, die Batista mit den an der Wallstreet gelisteten Aktien seiner Konzerne vorgeworfen werden. Dann könnte Batista sogar in den USA festgenommen und dort in Untersuchungshaft kommen.

Was sich für ihn als Glücksfall erweisen könnte: Denn sollte Batista sich in Brasilien stellen oder verhaftet werden, dann kommt eine harte Zeit auf ihn zu: Er wird im berüchtigten Bangu-Gefängnis in Rios Nordzone zur Untersuchungshaft einsitzen. Dort haben die Drogenmafias das Sagen. Mit denen wird er hautnah Kontakt haben: Weil er sein Ingenieurs-Studium in Aachen nicht abgeschlossen hat und auch sonst keinen akademischen Abschluss vorweisen kann, wird Batista in den normalen Vollzug kommen und nicht in den für Akademiker reservierte Flügel des Gefängnisses. Dort hätte er Ex-Gouverneur Cabral und dessen Gattin getroffen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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