Flüchtlinge im Queer-Club
„Weißt Du, was schwul heißt?“

Auch Nichtflüchtlinge stören die Queerparty

Ignoranz, Vorurteile, Grenzüberschreitung, das kennen die Clubbesucher seit langem. Das Sunny Red befindet sich auf einem Partyareal, es verirren sich auch Feierwütige anderer Discos dorthin. Manche gaffen, wenn sie nicht erkennen, ob eine Frau oder ein Mann vor ihnen steht.

Andere beleidigen die Gäste. „Schwulenwichser, abnormale Kreaturen“, solche Dinge, meint Sommer. Einmal drehten sie im Get Rid deswegen die Musik ab und das Licht auf. Wir baten die betrunkenen Pöbler zu gehen, sagt sie.

Was die Situation an dem Abend vor einem Jahr so schwierig macht, sind die Hemmungen, das Unbehagen, weil die Übergriffe von Verfolgten kommen. Die Auseinandersetzung mit der Frage, wie man auf Grenzüberschreitungen von Menschen reagiert, denen die volle Empathie gilt, weil sie womöglich traumatisiert sind und ebenfalls um Existenzräume kämpfen.

Eine Club-Besucherin resümiert auf Facebook: Die einzige Lösung ihr eigenes Schutzbedürfnis zu wahren, hätte bedeutet, „die jungen Männer nicht rein zu lassen. Und ich hätte dann mit dieser Entscheidung leben müssen, mich für Diskriminierung entschieden zu haben“.

Das Kollektiv von Get Rid wählte einen anderen Weg. Sie luden die Gäste zu einem Treffen, moderiert von einer Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Geschlechterforschung und diskutierten den Abend und das weitere Vorgehen. Die Erkenntnis: Einen Schutzraum könne man nicht garantieren. Türsteher und Gesichtskontrollen würden die Idee von Get Rid zerstören. „Wir wollen lieber miteinander kommunizieren und füreinander achtsam sein, sagt Sommer“.

Melanie Jilg, Dokumentarfilmerin und ebenfalls Partygast, meint: „Manchmal muss man seine Komfortzone verlassen und Reibung aushalten. Aus Auseinandersetzung kann etwas völlig Neues, etwas Besseres, entstehen. Das bedeutet aber nicht, dass man Übergriffe duldet.“ Sommer zieht die Tür zum Club zu und stapft die Treppen hoch. Der Schnee knirscht unter ihren Stiefeln. Sie sagt: „Wir können die Welt nicht leichter machen als sie ist. Zu uns kann weiter jeder kommen. Wer seine Mitmenschen nicht respektiert, der fliegt. Ob Deutscher oder Flüchtling“. 

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