Flüchtlinge im Queer-Club
„Weißt Du, was schwul heißt?“

Bei der AfD reibt man sich die Hände

Der Clubabend an dem manches gut, aber vieles schlecht lief, ist gut ein Jahr her. Hannah Sommer beschäftigt er noch immer. An einem Montag Nachmittag im Februar 2017 steht sie wieder vor dem Sunny Red, Schneeflocken verfangen sich in ihrer Mütze.

Sie öffnet die Tür, führt durch die Räumlichkeiten. Graffiti klebt an den Wänden. Sie zeigt auf die „Schminkecke“, „hier haben Flüchtlinge und Gäste einander Rouge und Lippenstift ins Gesicht gemalt, es gab auch viele sehr schöne Momente“, sagt sie.

Sie erinnert sich, wie junge Burschen mit Wimpertusche und Nagellack in Handykameras strahlten. Belustigt, aber nicht höhnisch. Es wurde auch gemeinsam getanzt und gelacht, erzählen andere Partygäste. Für eine Besucherin war es eine der „besten Feste seit langem“, für einen Geflüchteten gar „der schönste Tag seines Lebens“.  

Und doch verließen viele Gäste die Feier mit Wut im Bauch. Zurück am Eingang bleibt Sommer stehen. „Hier habe ich kassiert“, sagt sie. Als eine Gruppe von etwa zehn Flüchtlingen eintröpfelte, später wurden es mehr, sei ihr schon klar gewesen, dass es Probleme geben könnten. Sie dachte, der Kulturbegleiter hätte ihnen erklärt, was sie erwarte.

Doch erst an der Kasse verständigte man sich mit Händen und Füßen, „you know what gay is?“ Viele wussten es offenbar nicht und staunten, als sie Frauen sahen, die Frauen küssten. Sommer kann die Verärgerung der Stammgäste verstehen. „Doch was hätte ich tun sollen, Menschen aussieben, weil sie nicht von hier sind, weil sie nicht wissen, was ‚queer’ ist?“

Das „Conne Island“ ein politisch linker Club in Leipzig stockte im Frühjahr 2016 sein Sicherheitspersonal nach sexuellen Übergriffen Geflüchteter auf. Auf ihrer Website schreiben die Veranstalter „die stark autoritär und patriarchal geprägte Sozialisation in einigen Herkunftsländern und die Freizügigkeit der westlichen Feier-Kultur bilden bei uns mitunter eine explosive Mischung.“ Eine Steilvorlage für Menschen, die von der Angst anderer leben. Bei der AfD in Sachsen rieb man sich die Hände. „Leipziger Linksextremisten ‚hetzen’ gegen Flüchtlinge, erklärte ein Landtagsabgeordneter der Partei ebenfalls auf Facebook.

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