Flüchtlinge im Queer-Club „Weißt Du, was schwul heißt?“

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LGBT ist kein Mobilfunkstandard

Auch Julia Fuhrmann, eine Münchener Filmstudentin, fühlte sich an dem Abend im Münchener Club unwohl. Doch wesentlich schlimmer findet sie, dass Sexismus nur in Zusammenhang mit Flüchtlingen zur Nachricht werde. „Wer wissen will, wie homophob und mitunter auch frauenverachtend unsere Gesellschaft ist, kann das in jedem beliebigen Heteroclub erleben.“

Oder sich die Verrohung in Sozialen Netzwerken ansehen, meint Paula-Irene Villa, Professorin für Geschlechterforschung und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Frauen und Homosexuelle würden dort massiv beleidigt oder bedroht.

Villa geht selbst gern auf queere Veranstaltungen, weil ihr die „Ungezwungenheit und Aufmerksamkeit füreinander“ gefällt, wie sie sagt. Sicher gebe es auch übergriffige Geflüchtete. Dass Migranten die sexuelle Vielfalt oder die Selbstbestimmtheit von Frauen in Deutschland gefährden könnten, sieht sie allerdings nicht.

Warum so viele Flüchtlinge nach Europa kommen
Traumziel Europa
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Die Lage in ganz Europa ist aufgrund der Flüchtlingskrise angespannt. Die Staaten an den Außengrenzen sind seit Langem überfordert mit den Menschenmassen, auch in zentralen Ländern wie Deutschland wird der Ansturm zunehmend zum Problem.

Flüchtlingscamp in Jordanien
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Dabei trägt Europa nicht einmal die Hauptlast. Der Großteil der syrischen Flüchtlinge kommt in Nachbarländern wie zum Beispiel Jordanien unter. Das Land mit sieben Millionen Einwohnern hat mittlerweile über 600.000 Flüchtlinge aufgenommen. Die Versorgung der Flüchtlingsmassen in den Camps ist schwierig, weswegen viele versuchen, nach Europa zu kommen.

Essensausgabe in Damaskus
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In Syrien lassen die Flüchtlinge meist nur das Elend und zerstörte Heime zurück. Eine Ende des seit vier Jahren andauernden Bürgerkriegs ist nicht abzusehen. Und weder die Terroristen Miliz Islamischer Staat (IS) noch die syrische Armee schonen die Zivilbevölkerung. Das Bild zeigt eine Straße in Damaskus, Syrien 2014.

Spielende Kinder in einem Vorort der Hauptstadt
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Im syrischen Bürgerkrieg sind schon mehr als 11.000 Kinder und Jugendliche Opfer von Bomben, Granaten und Gewehrsalven geworden. Insgesamt hat der Krieg schon eine Viertelmillion Menschen das Leben gekostet.

Kämpfe zwischen den Rebellen in Kobane, Syrien an der türkischen Grenze
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Die Opposition gegen Assad ist nicht geeint. Der IS, die moderaten islamistischen Rebellen, die Kurden und die international anerkannte Freie Syrische Armee arbeiten nicht zusammen, teilweise bekämpfen sie sich auch untereinander erbittert. So versuchte der IS das Gebiet der kurdischen Peschmerga-Kämpfer in Nordsyrien zu erobern, scheiterte letztendlich aber, auch weil die Kurden Luftunterstützung der us-amerikanischen Armee bekamen.

US-amerikanischer Kampfjet
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Doch eine ernsthafte Intervention von außen ist nicht zu erwarten. Weder die USA noch deren Verbündete haben ein Interesse daran, in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen. So bleibt es bei Luftangriffen der US-geführten Einsatztruppe, die aber auch nur die Ausbreitung des Islamischen Staates verhindern, diesen aber nicht nachhaltig zurückdrängen.

Häuserkampf in Damaskus
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Berichten zufolge befinden sich die regulären syrischen Streitkräfte auf dem Rückzug. Zuletzt sollen die Soldaten einige Regionen aufgegeben haben, damit sie zumindest ihre Kerngebiete weiterhin verteidigen können.

„Sexismus ist statistisch sowohl ein Problem von Geflüchteten als auch von Deutschen“, so Villa. Mehr Sorgen bereite ihr die latente Homophobie in der bürgerlichen Mitte und in der Politik. Noch immer versage Deutschland Homosexuellen die vollständige Gleichstellung in Ehe und Adoption, noch immer gelte „schwul“ als Schimpfwort, die Selbstmord- und Depressionsraten unter queeren Jugendlichen seien weiter hoch.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass rund 41 Prozent der Befragten ein Problem damit hätten, liebte der eigene Sohn Männer. „Und schauen sie in die USA“, sagt Villa, „ein Mann der sagt, man könne Frauen einfach so in den Schritt greifen, wurde dort zum Präsidenten gewählt. Und zwar nicht obwohl, sondern gerade weil er das sagt.“ 

Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen davon überzeugt ist, es gebe nur zwei Geschlechter, Mann und Frau. Was Transgender sind – Menschen deren biologisches nicht mir ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt – wüssten die wenigsten. Sie gelten im besten Fall als Exoten, im schlimmsten als Freaks, die man verhöhnen, bespucken oder verprügeln kann. Und nein. LGBT ist kein Mobilfunkstandard.

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