Flüchtlinge im Queer-Club
„Weißt Du, was schwul heißt?“

LGBT ist kein Mobilfunkstandard

Auch Julia Fuhrmann, eine Münchener Filmstudentin, fühlte sich an dem Abend im Münchener Club unwohl. Doch wesentlich schlimmer findet sie, dass Sexismus nur in Zusammenhang mit Flüchtlingen zur Nachricht werde. „Wer wissen will, wie homophob und mitunter auch frauenverachtend unsere Gesellschaft ist, kann das in jedem beliebigen Heteroclub erleben.“

Oder sich die Verrohung in Sozialen Netzwerken ansehen, meint Paula-Irene Villa, Professorin für Geschlechterforschung und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Frauen und Homosexuelle würden dort massiv beleidigt oder bedroht.

Villa geht selbst gern auf queere Veranstaltungen, weil ihr die „Ungezwungenheit und Aufmerksamkeit füreinander“ gefällt, wie sie sagt. Sicher gebe es auch übergriffige Geflüchtete. Dass Migranten die sexuelle Vielfalt oder die Selbstbestimmtheit von Frauen in Deutschland gefährden könnten, sieht sie allerdings nicht.

„Sexismus ist statistisch sowohl ein Problem von Geflüchteten als auch von Deutschen“, so Villa. Mehr Sorgen bereite ihr die latente Homophobie in der bürgerlichen Mitte und in der Politik. Noch immer versage Deutschland Homosexuellen die vollständige Gleichstellung in Ehe und Adoption, noch immer gelte „schwul“ als Schimpfwort, die Selbstmord- und Depressionsraten unter queeren Jugendlichen seien weiter hoch.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt, dass rund 41 Prozent der Befragten ein Problem damit hätten, liebte der eigene Sohn Männer. „Und schauen sie in die USA“, sagt Villa, „ein Mann der sagt, man könne Frauen einfach so in den Schritt greifen, wurde dort zum Präsidenten gewählt. Und zwar nicht obwohl, sondern gerade weil er das sagt.“ 

Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die überwältigende Mehrheit der Deutschen davon überzeugt ist, es gebe nur zwei Geschlechter, Mann und Frau. Was Transgender sind – Menschen deren biologisches nicht mir ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt – wüssten die wenigsten. Sie gelten im besten Fall als Exoten, im schlimmsten als Freaks, die man verhöhnen, bespucken oder verprügeln kann. Und nein. LGBT ist kein Mobilfunkstandard.

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