Flug 4U9525 – Bergung geht weiter
„Wrackteile nicht größer als ein Kleinwagen“

Flug 4U9525 gibt weiter Rätsel auf: Die Piloten haben den Sinkflug des Airbus nicht mit der Flugsicherung abgesprochen. Der gefundene Flugschreiber ist beschädigt. Weitere Germanwings-Maschinen bleiben am Boden.
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ParisAn der Absturzstelle des Germanwings-Flugs 4U9525 in den französischen Alpen sind am frühen Mittwochmorgen die Bergungsarbeiten fortgesetzt worden. Ohne Schnee, Regen oder stärkeren Wind waren die Witterungsbedingungen nach Berichten französischer Medien für die Rettungskräfte und Hubschrauber besser als zunächst befürchtet. Zentraler Ausgangspunkt in die schwer zugängliche Absturzregion ist Seyne-les-Alpes.

Von dem Ort mit rund 1200 Einwohnern sollten die mehr als 300 Polizisten und 380 Feuerwehrleute operieren. Auch drei Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sind auf dem Weg zur Unglücksstelle und werden dort gegen 9 Uhr erwartet. Die deutschen Fachleute wollten gemeinsam mit den französischen Kollegen prüfen, ob alle Trümmerteile zu finden sind oder das Flugzeug möglicherweise in der Luft auseinandergebrochen ist. Einer der beiden Flugschreiber, der Stimmrekorder, wurde bereits am Dienstag gefunden und wird jetzt ausgewertet. Das Gerät sei „beschädigt, aber verwertbar“, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve dem Sender RTL. Nach der zweiten Blackbox wird weiter gesucht.

Über die Ursachen für eine der schwersten Katastrophen in der deutschen Luftfahrtgeschichte mit 150 Toten war zunächst auch weiterhin nichts bekannt. Der Sinkflug des Airbus am Dienstag kurz nach dem Start in Barcelona war nicht mit der Flugsicherung abgesprochen worden, hatte der Germanwings-Chefpilot während einer Pressekonferenz gesagt. So eine massive Änderung muss in der Regel abgesegnet werden. Das Flugzeug war nur eine Minute auf der Flughöhe von 12.000 Metern

Die Lufthansa, Germanwings und Airbus hat ein Expertenteam gebildet, das auf dem Weg zur Unglücksstelle ist. Die ist schwer zu erreichen, die Trümmer sind sehr weit verteilt. „Das größte Wrackteil ist nicht größer als ein Kleinwagen“, zitiert der WDR den Chef des französischen Rettungsteams. „Für uns gibt es hier nichts mehr zu tun“, sagte er mit Blick auf mögliche Personenrettung. Die Vielzahl der Trümmer spricht laut dem Sprecher der Bundesstelle, Germout Freitag. für einen Aufschlag mit hoher Geschwindigkeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird für 14 Uhr am Ort des Absturzes erwartet und will dort den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Staatspräsident François Hollande treffen.

In der Maschine befanden sich 144 Passagiere, darunter zwei Babys, und sechs Besatzungsmitglieder. An Bord waren unter anderem eine Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen sowie zwei Opernsänger aus Düsseldorf. Vermutet werden 67 deutsche sowie bis zu 45 spanische Todesopfer.

Die jeweiligen Behörden der Länder bestätigten außerdem, dass sich zwei Kolumbianer und zwei Australier an Bord befanden. Auch ein Belgier, ein Däne sowie zwei Argentinier standen auf der Passagierliste. Befürchtet wurden außerdem britische, türkische, japanische und mexikanische Todesopfer. US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus drückten den Angehörigen ihr Beileid aus. Beileidsbekundungen kamen auch aus zahlreichen anderen Ländern.

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Kontaktversuch zu den Piloten war gescheitert

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  • Auch ich finde solchen weitgehend überflüssigen "Tourismus" von Politikern, noch bevor die Bergung abgeschlossen ist, für vollkommen unangebracht. Dass die betroffenen Staatsoberhäupter sich später zum Gedenken (und Danken) versammeln, mag ja angehen und sogar angemessen sein. Aber was wollten und konnten der Außenminister, der Verkehrsminister und sogar Abgeordnete des Verkehrsausschusses dort bewirken? Es ist nicht bekannt geworden, dass sich spanische Abgeordnete am Ort des Geschehens, wo es auf sie auch nicht im Geringsten ankommt, versammelt hätten. Ein Schelm der Bürger und Steuerzahler, der sich fragt, warum die deutschen denn diesen in der Sache sinnlosen und verschwenderisch wirkenden "Ausflug" gemacht haben. Die so vergeudeten Ressourcen hätte man z. B. zur Unterstützung einschlägiger Rettungsdienste oder betroffener Angehöriger weit sinnvoller verwenden können.

  • Kann man mir als Techniklaien bitte mal etwas erklären? Bei Flugzeuganstürzen wird immer wieder nachher gesagt/berichtet, dass die Blackbox(en) nicht oder nu sehr spät gefunden werden und/oder diese dann zudem noch defekt sind. Sind die Boxen nicht mit einem Ortungssystem versehen? Könnte man die Daten nicht live aus dem Flugzeug während des Fluges in einer "Cloud" speichern?

  • Für ihren eigenen Vorteil gehen diese Leute sozusagen über Leichen.

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