Flugzeugabsturz
Steile Absturz-Thesen für Air-France-Unglück

Die französische Marine sucht weiter mit dem Atom-U-Boot „Emeraude“ nach den Flugschreibern des abgestürzten Airbus A330 von Air France. Ohne die sogenannte „Black Box“ dürfte es schwer werden, die genauen Absturz-Ursachen zu klären. Das hindert Medien nicht daran, aus den dürftigen vorliegenden Informationen eigene Absturz-Erklärungen zu entwickeln. Hauptsache Schlagzeile, scheint das Motto zu sein.

PARIS. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ glaubt in ihrer Donnerstagsausgabe bereits, das Rätsel des Absturzes erklären zu können. Auf der Titelseite schreibt das Blatt: „AF 447: Das Szenario des Auseinanderbrechens im Flug“.

Das Szenario in der Kurzversion: Bekanntlich haben die drei Geschwindigkeitsmesser der A330 nicht korrekt funktioniert, „unkohärente Geschwindigkeitsangabe“, sandte als Fehlermeldung das Flugzeug automatisch. In dem Fall schaltet sich der Autopilot ab, der Pilot muss selbst steuern. Ohne die Geschwindigkeitsanzeige also musste der Pilot den Schub der Triebwerke steuern. Der „Figaro“ folgert nun, dass der Pilot möglicherweise in dem Gewitter zu viel Gas gegeben hat. Dann zehren extreme Kräfte an Rumpf und Flügeln mit der möglichen Folge, dass das Flugzeug zerbricht. Einmal beschädigt, sorgt der innere Kabinendruck dann dafür, dass das Flugzeug regelrecht explodiert.

Soweit das Szenario, für das es bisher keine echten Belege gibt. Daher wiederholt die ermittelnde Behörde, das französische Bureau enquêtes analyses (BEA), gebetsmühlenhaft: „Es gibt derzeit noch keinen etablierten Zusammenhang zwischen den Pitot (die Röhrchen außen am Flugzeug, mit deren Hilfe die Geschwindigkeit gemessen wird) und dem Unfall.“ Auch Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon erklärte Donnerstag gegenüber der Presse, dass er „nicht davon überzeugt ist, dass die Sonden die Ursache des Unfalls sind.“

Sollte der Figaro Recht haben, hieße das in der Konsequenz, dass ein Flugzeug und seine Passagiere in großer Gefahr wären, sobald nur die Geschwindigkeitsmessung ausfällt. „Das stimmt aber nicht“, sagt Jörg Handwerg, Flugkapitän und Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit e.V. „Auch ohne Geschwindigkeitsmessung lässt sich der Schub korrekt einstellen“, erklärt der Pilot.

Das geht so: Jedes Flugzeug verfügt über einen so genannten „künstlichen Horizont“. Vereinfacht gesagt, zeigt das Gerät an, ob das Flugzeug seine Nase oberhalb der Horizont-Linie hält, also steigt, oder darunter, also sinkt. „Ohne Geschwindigkeitsanzeige regel ich den Schub dann so, dass die Nase des Flugzeugs einige Grad über der Horizontlinie bleibt.“ Jeder Berufspilot erlerne, solche Situationen zu meistern, „das wird im Simulator geübt.“

Der Sprecher der Vereinigung Cockpit will nicht ausschließen, dass die fehlerhaften Geschwindigkeitssonden doch in einem Zusammenhang mit dem Unglück gestanden haben; aber aus den bisher vorliegenden spärlichen Informationen ließe sich seiner Ansicht nach dieser Schluss nicht ziehen.

Der Experte sorgt sich darum, dass durch solche Berichte enormer Druck auf die Behörden aufgebaut wird. „Am Ende kommen unsinnige neue Regulierung dabei heraus, die die Öffentlichkeit beruhigen sollen, die den Flugverkehr aber eher behindern.“ Beispiel: Der Zwangsaustauch aller Geschwindigkeitsmesser an den A330-Flugzeugen.

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