Flugzeugunglück in Russland
Angehörige warten auf Nachricht

Die Angehörigen der Unglücksopfer sind machtlos und verzweifelt. Noch immer konnten nicht alle Passagiere geborgen werden. Und auch die Gründe für den Absturz des Airbus sind noch ungeklärt.

HB MOSKAU/ERIWAN. Der Flug zum Verwandtenbesuch und in den Badeurlaub endete in einer Tragödie: Beim Absturz eines armenischen Passagierflugzeugs vom Typ Airbus A320 vor der russischen Schwarzmeerküste sind am Mittwoch vermutlich alle 113 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Unter den Opfern waren auch fünf Kinder. Der vor elf Jahren gebaute Airbus der Fluglinie Armavia stürzte beim Landeanflug auf den Flughafen des Badeortes Sotschi im steilen Winkel ins Meer. Zuvor hatte die Flugüberwachung eine Unwetterwarnung verbreitet.

Angehörige warten auf Auskünfte

Am Flughafen von Sotschi beklagten wartende Angehörige fehlende Auskünfte der Behörden. „Wir haben bei uns im Dorf an jede Tür geklopft, damit die Menschen davon erfuhren“, sagte ein Mann dem Fernsehsender NTW. Eine Mutter beweinte den Verlust ihres Kindes. „Gar nichts weiß ich bislang. Nur so viel, dass mein sechs Jahre alter Sohn mitgeflogen ist“, brach es aus der Frau heraus.

Auf dem Flughafen der armenischen Hauptstadt Eriwan, von wo die Unglücksmaschine in Richtung Sotschi gestartet war, versammelten sich nach der Schreckensnachricht Dutzende Angehörige. „Wir wollten doch heiraten“, rief der junge Armenier Gurgen Seronjan. Seine 23-jährige Verlobte arbeitete als Stewardess auf dem Flug RNV 967. Eine verzweifelte Großmutter schlug nach der Nachricht vom Schicksal ihrer Enkeltochter die Hände über dem Kopf zusammen.

Im Tagesverlauf schickte die betroffene Fluglinie Armavia zwei Flugzeuge mit Angehörigen und Luftfahrtexperten nach Sotschi. Dort machte am Nachmittag ein Schiff mit den Leichen von 46 Fluggästen und Besatzungsmitgliedern am Ufer fest. Rettungskräfte orteten das Wrack in einer Tiefe von 600 Metern im Schwarzen Meer. An der Absturzstelle fünf Kilometer vor der Küste suchten die Besatzungen von 40 Schiffen nach Leichen und Flugzeugtrümmern. Die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau schloss einen Terroranschlag aus.

Experte spricht von menschlichem Versagen

Die Agentur Interfax zitierte einen namentlich nicht genannten Experten des Flughafens von Sotschi mit den Worten, der Unfall sei auf menschliches Versagen zurückzuführen. Wegen zu schlechter Sicht beim Landeanflug habe die Besatzung die Anweisung vom Tower erhalten, wieder auf eine Höhe von 600 Meter zu steigen. Dieses Manöver konnte nur mit einer steilen Kurve erfolgen, weil der Zielflughafen von bis zu 1300 Meter hohen Bergen umgeben ist. „Dabei betrug die Geschwindigkeit der A320 etwa 250 Stundenkilometer. Das war zu langsam für einen Steigflug“, sagte der russische Flugexperte.

Die betroffene Fluggesellschaft nannte schwierige Wetterverhältnisse als Unfallursache. Die russischen Behörden widersprachen der Version, das Flugzeug sei von einem Wirbelsturm erfasst worden. Der Airbus verschwand gegen 2.15 Uhr Ortszeit (0.15Uhr MESZ) von den Radarschirmen. Zuvor hatten die Piloten erst die Anweisung erhalten, wegen schlechten Wetters nach Eriwan umzukehren. Kurz darauf kam dann doch aus Sotschi die Landeerlaubnis. Aus ungeklärter Ursache mussten die Piloten einen ersten Landeversuch abbrechen. Beim zweiten Anflug auf Sotschi ereignete sich die Katastrophe. Die Piloten sendeten kein Notsignal. Die russische Marine wollte mit einem Tauchroboter nach den Flugschreibern der Unglücksmaschine suchen.

Bereits vor fünf Jahren hatte sich vor der russischen Schwarzmeerküste ein Flugzeugabsturz ereignet. Im Oktober 2001 war eine russische Tupolew irrtümlich von der ukrainischen Raketenabwehr auf der Halbinsel Krim abgeschossen worden. Alle 78 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben.

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