Flugzeugunglück von Madrid
Spanair-Passagier durfte nicht aussteigen

Medienberichten zufolge gab es ängstliche Fluggäste, die nach dem abgebrochenen ersten Startversuch der Unglücksmaschine von Madrid das Flugzeug gerne verlassen hätten. Doch sie durften nicht. Bei der Suche nach den Ursachen tauchten derweil neue Fragen auf. Und: Die Pilotengewerkschaft Sepla hatte in den vergangenen Monaten mehrfach gewarnt, die Sicherheit der Spanair-Flüge sei in Gefahr.

HB MADRID. Kurz vor dem Absturz wollte ein Passagier die Spanair-Maschine in Madrid verlassen, wurde jedoch von der Besatzung daran gehindert. Der 45-jährige Rubén Santana schickte aus der Maschine seiner Frau eine SMS: "Man lässt mich hier nicht mehr raus. Es ist alles zu." Wie die Zeitung "El País" am Freitag berichtete, war dies die letzte Nachricht, die die Familie von Santana erhielt.

Der Lkw-Fahrer war einer der 153 Menschen, die bei dem Unglück am Mittwoch auf dem Madrider Flughafen starben. Er hatte offenbar Angst bekommen, nachdem er von technischen Problemen an dem Flugzeug erfahren hatte. Der Pilot der Maschine hatte einen ersten Startversuch abgebrochen und war zum Terminal zurückgekehrt. Die Besatzung soll auch mehreren anderen Fluggästen den Wunsch zum Aussteigen verwehrt haben, berichtete die Zeitung "ABC".

Bei dem schlimmsten Katastrophe in der spanischen Luftfahrt seit 25 Jahren gibt es vermutlich ein weiteres deutsches Todesopfer. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes korrigierten die spanischen Behörden die Zahl der deutschen Opfer von vier auf fünf. "Wir gehen den Hinweisen mit Hochdruck nach", sagte der stellvertretende Sprecher des Ministeriums, Andreas Peschke, am Freitag in Berlin. Die Angaben stünden unter dem Vorbehalt der endgültigen Identifizierung der Opfer, die noch einige Tage in Anspruch nehmen könne.

Bei vier der vermutlich toten Deutschen handelt es sich um eine vierköpfige Familie aus Bayern. Die Eltern, die Mutter 38 Jahre und der Vater 50 Jahre alt, und ihre beiden kleinen Jungen (acht und fünf Jahre alt) aus dem Münchner Vorort Pullach standen auf der Passagierliste der Spanair-Maschine.

Bei der Suche nach den Ursachen tauchten derweil neue Fragen auf. Entgegen bisherigen Annahmen war beim Start der Unglücksmaschine wohl kein Triebwerk in Brand geraten. Dies geht aus dem Videofilm hervor, den eine Kamera der staatlichen Flughafengesellschaft AENA aufgenommen hatte. Auf dem Film sei weder ein Feuer noch eine Explosion in einem Triebwerk zu erkennen, berichteten spanische Medien.

Die Maschine sei erst in Flammen aufgegangen, als sie auf die Erde aufschlug und zerschellte. Bisher hatte es als ziemlich sicher gegolten, dass beim Start der Maschine am Mittwoch ein Triebwerk Feuer fing. Dieser Brand, so war vermutet worden, könnte eine Kettenreaktion ausgelöst haben, die zum Absturz der zweistrahligen Maschine führte.

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