Flutkatastrophe
England entgeht neuen Wolkenbrüchen

Vorsichtiges Aufatmen in den Hochwassergebieten im Südwesten Englands: Die befürchteten neuen Wolkenbrüche in der Nacht zum Sonntag blieben aus. Stattdessen fielen nur sieben bis zehn Millimeter Regen, so dass sich die Lage etwas entspannte.

HB LONDON. Daraufhin wurden die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Vordringliches Ziel war es, die Trinkwasserversorgung für etwa 130.000 Haushalte wieder herzustellen.

Es gehe darum, rund 2 000 Kilometer Leitungsrohre wieder zu füllen, erklärte die regionale Wasserbehörde Severn Trent laut einem Bericht der britischen Inlandsnachrichtenagentur PA. Demnach wurde angesichts der von den Fluten verschmutzten Trinkwasserbecken das gesamte Leitungssystem leergepumpt. Dies wieder zu füllen dürfte mindestens 24 Stunden dauern, so dass die Versorgung nur allmählich wieder aufgenommen werden könne, hieß es. Die Behörde warnte vor möglichen Gesundheitsgefahren, die von Ratten im Wasser übertragen werden könnten.

Die Feuerwehr in der Grafschaft Gloucestershire rief die Bewohner im Katastrophengebiet derweil auf, bei der Rückkehr in ihre Häuser Vorsicht walten zu lassen und nach stromführenden Kabeln Ausschau zu halten. Die Polizei erklärte, wer beim Diebstahl von Wasservorräten gefasst werde, müsse mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Unterdessen fiel ein weiterer Mensch dem Hochwasser zum Opfer. In einem überfluteten Feld bei Tewkesbury in Gloucestershire wurde ein Toter entdeckt, bei dem es sich nach Polizeiangaben um einen seit einer Woche vermissten 19-Jährigen handeln könnte. Der vorerst nicht identifizierte Leichnam wurde unweit der Stelle gefunden, wo am vergangenen Donnerstag ein 64-Jähriger und sein 27-jähriger Sohn beim Versuch ums Leben kamen, Wasser aus einem Rugby-Club zu pumpen.

In den kommenden Tagen dürfte es nach Ansicht der Meteorologen trocken bleiben, gelegentlich soll sich sogar die Sonne zeigen. „Vergangene Nacht war wahrscheinlich das letzte Mal für eine ganze Weile, dass die Leute Regen gesehen haben“, sagte John Hutchinson vom Wetterdienst MeteoGroup UK am Sonntag. Der Regionalrat schätzte die in den vergangenen acht Tagen entstandenen Schäden auf 40 Millionen bis 50 Millionen Pfund (60 bis 75 Millionen Euro), wie PA berichtete.

Nach den Worten von Umweltminister Hilary Benn müssen sich die Briten wegen des Klimawandels künftig auf häufigere Wetterextreme einstellen. Deshalb müsse mehr in den Hochwasserschutz investiert werden, und Häuser in Risikogebieten müssten den Bedingungen angepasst werden. Ob die Regierung wegen der Überschwemmungen um Sondermittel der Europäischen Union bitten werde, werde noch geprüft, sagte Benn.

Die Leiterin der britischen Umweltbehörde, Barbara Young, sagte dem „Daily Telegraph“, Millionen Pfund müssten in eine Verbesserung der Entwässerungssysteme und den Schutz von Infrastruktur wie Umspannwerken und Wasseraufbereitungsanlagen gesteckt werden. Die Kosten würden sowohl wegen künftiger Dürren als auch wegen Überschwemmungen steigen. „Entweder man zahlt am Oberlauf, um vorzubeugen, oder am Unterlauf, um aufzuwischen, aber zahlen muss man. Der Klimawandel wird sich einnisten“, wurde Young von PA zitiert.

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