Flutkatastrophe
Hochwasser kostet Briten Milliarden

Nicht beachtete Warnungen, Klimawandel, Schutzmaßnahmen: Obwohl die Wasserpegel an der Themse weiter steigen, beginnen nach dem Jahrhunderthochwasser in Großbritannien auch die politischen Aufräumarbeiten. Mit einem muss die Regierung in London schon jetzt rechnen: Die Kosten der Sommerfluten gehen in die Milliarden.

LONDON. Umweltminister Hilary Benn bezeichnete die Lage als „ weiterhin ernst“. Er will sich nicht noch einmal „skandalöse Versäumnisse“ vorwerfen lassen, wie dies der Tory-Abgeordnete John Redwood tat. „Man sah weit und breit keine Minister. Es gab keine Sandsäcke, keine Pumpen, Abflussgräben waren nicht gereinigt. Feuerwehren und Armee wurden nicht rechtzeitig mobilisiert.“

Im Zentrum des Hochwassergebiets in Gloucestershire geht der Pegelstand nun um täglich 200 Millimeter zurück. Aber in Gloucester, Tewkesbury und Cheltenham müssen 350 000 Haushalte wegen einer ausgefallenen Wasseraufbereitungsanlage mit Wasser aus Tankwagen versorgt werden – möglicherweise zwei Wochen lang. Der staatliche Gesundheitsdienst warnte vor Krankheits- und Seuchengefahr. „Wer mit Flutwasser in Berührung kommt, sollte sich anschließend die Hände waschen“, riet Behördendirektor Nigel Lightfoot.

An der Themse sollte das Hochwasser am Mittwoch morgen Reading erreichen. Kurz vor London wird die Themse ein Gezeitenfluss und der Wasserstand kann mit Hilfe der Themsesperre reguliert werden. Gefahr besteht dort nach Angaben der für Hochwasserschutz zuständigen Umweltagentur nicht. 10 000 Häuser wurden überschwemmt, 45 000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Auch das Atomwaffenzentrum Burghfield in Berkshire stand unter Wasser; dort werden die britischen Atomsprengköpfe montiert. Nach Angaben der Einrichtung trat keine Radioaktivität aus.

„Wir müssen die Lehren aus dieser Katastrophe ziehen“, erklärte Premier Gordon Brown. Auf Druck der Opposition ordnete er eine unabhängige Untersuchung der Katastrophe und der Schutzmaßnahmen an. „Seit drei Jahren spricht die Regierung von einer integrierten Hochwasserstrategie, ohne auf ihre eigene Analye zu reagieren“, empörte sich der Umweltsprecher der Liberaldemokraten, Chris Huhne. So bezeichnete das Umweltministerium selbst die Hochwasserplanung als „komplex und verwirrend“.

Seite 1:

Hochwasser kostet Briten Milliarden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%