Flutwellen nach Unwettern
Vier Tote in Bayern, Katastrophenalarm am Niederrhein

Extreme Unwetter sorgen in Deutschland weiter für Verwüstungen. In Niederbayern und am Niederrhein wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Im Landkreis Rottal-Inn starben vier Menschen, bei Wesel droht ein Damm zu brechen.

Triftern/SimbachNach anhaltendem Regen ist im Kreis Wesel (Nordrhein-Westfalen) der Katastrophenfall ausgerufen worden. Die Issel erreichte in der Nacht zum Donnerstag in Hamminkeln einen Pegelstand von zwei Metern, das sei 1,5 Meter höher als normal, sagte ein Sprecher des Krisenstabs. Bei einem Bruch des Dammes sei ein Gewerbegebiet betroffen. Derzeit versuchen Helfer, mit Sandsäcken den Damm zu stabilisieren. Die starken Regenfälle hatten bereits in den vergangenen Tagen zum starken Anstieg des Flusses und zu zahlreichen Überschwemmungen geführt. Polizei und Feuerwehr rückten zu etwa 400 bis 500 Einsätzen am Tag aus.

Die Unwetter in Nordrhein-Westfalen haben auch in Xanten und Sonsbeck Spuren hinterlassen. In Xantens historischer Altstadt fließt das Wasser nicht ab. Zuvor war in der Region bereits ein Regionalzug steckengeblieben, weil der Regen eine Schlammlawine auf die Gleise gespült hatte, wie ein Feuerwehrsprecher am Donnerstag berichtete. Der Zug musste zum nächsten Bahnhof fahren. Die Bahnstrecke Richtung Duisburg bleibt zwischen Xanten und Millingen voraussichtlich mehrere Tage gesperrt.

Ebenfalls im Raum Xanten saßen Schüler zunächst auf einem Bauernhof fest, weil die Wassermassen die Zufahrtsstraßen unpassierbar gemacht hatten. „Es war aber weniger dramatisch, es sind alle wieder zu Hause“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Morgen.

Auch die Feuerwehr in Düsseldorf kämpft weiter gegen die Folgen eines heftigen Unwetters. Bis in die Nacht zum Donnerstag habe es rund 420 Einsätze gegeben, teilte die Feuerwehr mit. Etwa 240 Mann rückten in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens aus, um unter Wasser stehende Keller und geflutete Tunnel leer zu pumpen. Sorgen bereitet den Rettern das Flüsschen Anger: Dort steige das Wasser und es sei nicht ausgeschlossen, dass noch in der Nacht Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssten, hieß es. 2000 Sandsäcke liegen vorsorglich bereit. Verletzte gab es nicht. Ein Regengebiet war am Mittwoch von Ost nach West über Nordrhein-Westfalen gezogen.

Die verheerendsten Schäden richtete das Hochwasser in Niederbayern an. Die Behörden sprechen von mindestens vier Toten und einer vermissten Person. In einigen Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn beginnt am Donnerstagmorgen der Kampf gegen die Wassermassen, indem die Häuser und Straßen leergepumpt werden sollen. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks waren die Nacht hindurch mit der Rettung von Personen beschäftigt. In einer Realschule in Triftern, in der am Mittwochabend noch Dutzende Schüler von den Wassermassen eingeschlossen waren, mussten 16 Kinder mit zwei Betreuern die Nacht über ausharren.

Am Donnerstagmorgen wurde mindestens eine Person vermisst. Berichte, wonach sie in der Gemeinde Zeilarn bereits tot geborgen worden sei, bestätigte die Polizei zunächst nicht. Am frühen Morgen wurden die Einsatzkräfte aufgestockt, um in Triftern und Tann mit dem Abpumpen der Wassermassen zu beginnen. In der Stadt Griesbach richtete das Technische Hilfswerk eine Notstromversorgung ein. In der Nacht hatte es nicht mehr geregnet, der Pegelhöchststand von 3,61 Meter sank leicht ab. Für Donnerstag erwartete der Deutsche Wetterdienst jedoch erneut unwetterartige Mengen an Niederschlag, besonders im Landkreis Passau.

Das Landratsamt im bayerischen Pfarrkirchen hatte am Mittwoch den Katastrophenfall ausgerufen, als die braunen Wellen die Menschen in Triftern, Simbach am Inn und Nachbargemeinden überraschten. Keller, Tiefgaragen und Erdgeschosswohnungen wurden binnen kürzester Zeit überflutet, viele Autos mit dem Strom weggerissen. Etliche Bürger mussten mit Polizeihubschraubern gerettet werden. Der Sachschaden wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

In Simbach wurden am Mittwochabend nach der verheerenden Flutwelle von Tauchern drei Leichen in einem überschwemmten Haus entdeckt. Die Bewohner der oberen Stockwerke des Mehrfamilienhauses hatten die Retter darüber informiert, dass im überfluteten Erdgeschoss noch Menschen sein müssten. Kurz darauf wurde eine Frau tot in einem Bach in der Nachbargemeinde Julbach entdeckt.

Hunderte Kinder mussten am Mittwoch bis zum Abend in zwei Schulen ausharren, weil die Zufahrtsstraßen nicht passierbar waren. Etwa 50 von ihnen konnten allerdings nicht mehr nach Hause gebracht werden und mussten, betreut von etwa zwei Dutzend Erwachsenen, in der Mittelschule von Triftern übernachten. Die vom Wasser eingeschlossenen Schüler wurden mit Hubschraubern versorgt. Mehrere Schulen sollten auch am Donnerstag wegen des Hochwassers geschlossen bleiben. Der Energieversorger Bayernwerk hatte zudem mitgeteilt, dass Tausende Haushalte vorläufig weiter ohne Strom auskommen müssten.

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