Folge des Hurrikans Katrina
350 000 Häuser wurden zerstört

Nach der massiven Präsenz von US-Sicherheitskräften in New Orleans hat sich in der Stadt erstmals wieder eine ruhige Nacht abgezeichnet.

HB WASHINGTON/NEW ORLEANS. In den vergangenen Nächten war es nach dem Hurrikan „Katrina“ nach Angaben von Augenzeugen zu völliger Gesetzlosigkeit mit Plünderungen, Vergewaltigungen und willkürlichen Erschießungen gekommen. Schwerbewaffnete Nationalgardisten und US-Marschalls waren am Samstagabend in der Stadt auf Streife. Die Straßen waren aber überwiegend wie leergefegt. Es ist unklar, wie viele Bürger noch in New Orleans sind und sich etwa in ihren Häusern und Wohnungen eingeschlossen haben. Militär-Vertreter hatten am Samstag erklärt, es könnten noch bis zu 80 000 Gestrandete in der Stadt sein.

Mittlerweile leert sich die Südstaatenmetropole New Orleans nach Beginn einer der größten Rettungsaktionen in der Geschichte der USA zusehens. Die letzten Flutopfer hatten nach tagelangem Warten die beiden großen Notunterkünfte, das Footballstadion und das Kongresszentrum, endlich verlassen können. Inzwischen wurde auch mit der Bergung der Leichen begonnen.

Die Gouverneurin von Louisiana rechnet damit, dass Hurrikan „Katrina“ und seine Folgen tausende von Menschen das Leben gekostet haben. In den vergangenen 24 Stunden wurden rund 25 000 Einwohner aus der überfluteten Stadt in Sicherheit gebracht. Im Gewerbegebiet loderten weiterhin Brände, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Fünf Tage nach dem verheerenden Hurrikan „Katrina“ verließen die erschöpften Menschen nach Tagen voller Chaos, Gewalt und Entbehrungen das Krisengebiet mit Flugzeugen, Helikoptern, Bussen und Eisenbahnen. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums erhalten bislang bereits 100 000 Betroffene humanitäre Hilfe.

US-Präsident George W. Bush räumte in seiner wöchentlichen Radioansprache an die Nation ein, dass trotz großer Anstrengungen die Ergebnisse der Hilfsaktionen inakzeptabel gewesen seien. Viele Menschen seien verärgert und auf verzweifelter Suche nach Hilfe, sagte Bush. Der Präsident versprach rasche und unbürokratische Unterstützung. Er will am Montag zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in das Katastrophengebiet reisen. Ein für kommender Woche geplanter Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao wurde auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben.

Im weitgehend überfluteten New Orleans begann die US-Armee am Samstagmorgen, Tausende von gestrandeten und Not leidenden Menschen mit Helikoptern auszufliegen. In einer Luftbrücke brachten US- Fluggesellschaften bis zum Samstagabend rund 10 000 Personen in Nachbarstaaten in Sicherheit. Am Nachmittag trafen dann auch die von Bürgermeister Ray Nagin seit Tagen geforderten Busse ein.

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