Folgen der Subprime-Krise
UBS auf der Intensivstation

Der Schweizer Patient kommt auf die Intensivstation. Die größte Bank des Landes, die gleichzeitig auch größter Vermögensverwalter ist, braucht einen Tropf, um die Folgen der Subprime-Krise zu überstehen – und bekommt diesen aus Singapur. Aber der Patient wird nach der Krankheit ein anderer sein als vorher. Eine Analyse von Oliver Stock .

Die Fakten, die die Großbank am Montagmorgen in ihrer Hiobsbotschaft schönfärberisch mit „UBS stärkt Kapitalbasis und passt Bewertungen an“ überschrieben hat, sehen so aus: Etwa zwölf Prozent der Bank gehen in neue Hände über. Der Stadtstaat Singapur wird größter Aktionär der Schweizer Bank. Das Aktienrückkaufprogramm wird praktisch umgedreht und bereits gekaufte Aktien wieder auf den Markt geschmissen. Die Dividende wird ebenfalls gestrichen und durch Aktien ersetzt, was deren Wert weiter verwässert.

Das ist der Zustand. Bei der Interpretation reicht es, sich die Sätze der Führungsspitze auf der Zunge zergehen zu lassen: Ein weiterer Verlust sei für ihn sehr schwer vorstellbar, sagt Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel. Er sagt bewusst nicht unvorstellbar, weil nach wie vor umgerechnet mehr als 18 Mrd. Euro an Wertpapierbeständen in den Büchern der UBS verzeichnet sind, die möglicherweise zu der Sorte der nicht wertbeständigen gehören. Und er drückt sich so aus, weil er schon mehrmals kalt erwischt wurde. Seit dem Sommer musste die Bank immer wieder Stück für Stück höhere Abschreibungen einräumen und legte allen Zuschauern anschließend nahe, nun wirklich reinen Tisch gemacht zu haben.

Was CEO Marcel Rohner hinzuzufügen hat, klingt nicht viel vertrauenserweckender. „Die Kapitalbasis“, stellt er fest, „muss verbessert werden, um die notwendige Voraussetzung für Wachstum zu schaffen.“ Im Klartext heißt das für die UBS als Vermögensverwalterin, dass sie Angst hat, ihr laufen ohne eine solide Eigenkapitalausstattung die Kunden davon. Rohner weiß: Vermögende Kunden vertrauen ihr Geld nur Banken mit einer guten Eigenkapitalausstattung an. Deswegen hat sich die Bank in aller Eile einen Staatsfonds mit ins Boot holen müssen – was nebenbei für das ehemalige Paradeunternehmen jenes Landes, das den Ruf genießt, der sicherste Bankenplatz der Welt zu sein, eine bemerkenswerte Wendung ist.

Was bleibt? Die Intensivmedizin wird bei der UBS anschlagen. Aber der Patient wird nach der Krankheit ein anderer sein als vorher. Die Bank ist keine rein schweizerische mehr. Sie wird im Investmentbanking auf absehbarer Zeit nicht zu den ganz großen Spielern gehören. Und sie wird lange brauchen, um ihren Ruf als grundsolides Geldinstitut wiederherzustellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%