Folter-Vorwurf: Verfahren beginnt im Herbst
Frankfurter Ex-Polizeivize muss vor Gericht

Der frühere stellvertretende Polizeichef von Frankfurt muss sich vor Gericht verantworten, weil auf seine Anweisung hin vom Entführer und Mörder des Bankierssohnes Jakob von Metzler unter Gewaltandrohung eine Aussage erzwungen worden sein soll.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Anklage gegen Wolfgang Daschner wegen Verleitung zum Missbrauch der Amtsbefugnisse werde zugelassen, teilte das Frankfurter Landgericht am Dienstag mit. Mit dem Prozessbeginn sei nicht vor November zu rechnen. Neben Daschner kommt auch der 50-jährige Kriminalbeamte vor Gericht, der dem Entführer Magnus Gäfgen die Zufügung schwerer Schmerzen angedroht haben soll, falls er den Aufenthaltsort des elfjährigen Kindes nicht nenne.

Jakob war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Wegen der Gewaltandrohung wäre der Prozess gegen Gäfgen beinahe geplatzt, weil seine Aussagen damit nichtig wurden. Der Entführer wiederholte jedoch sein Geständnis und wurde im Juli 2003 wegen der Entführung und Ermordung Jakobs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Außerdem stellte das Gericht eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren unmöglich macht.

Daschner hatte eingeräumt, dass Gäfgen auf seine Anweisung hin nach der Festnahme schwere Schmerzen angedroht worden waren, um das Versteck Jakobs herauszufinden. Die Polizei sei davon ausgegangen, dass der entführte Junge noch lebe und in Lebensgefahr schwebe, hatte Daschner sein Vorgehen begründet. Ehe es zur Anwendung von Gewalt gekommen sei, habe Gäfgen das Versteck der Leiche des Jungen preisgegeben.

Das verständliche Motiv mache die Androhung von Folter nicht zu einem rechtlich zulässigen Mittel, hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft bei der Anklage-Erhebung im Februar erklärt. Die Behörde sprach von einem einmaligen Fall. Sollte Daschner verurteilt werden, muss er mit einer Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren rechnen. Der hessische Innenminister Volker Bouffier (CDU) versetzte Daschner nach der Anklage zum LandesPolizeipräsidium Wiesbaden, wo er „verwaltungsinterne Aufgaben“ zuständig ist.

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