Formel-1-Prozess
Ecclestones Anwalt wird nervös

Verunsichern, verlachen, unglaubwürdig machen – Bernie Ecclestones Anwalt geht die Zeugen im Bestechungsprozess hart an. Denn die Aussagen und ein brisanter Brief der Ex-BayernLB-Mitarbeiterin belasten Ecclestone schwer.
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MünchenIm Dezember 2011 hat sie dem Richter ihre Geschichte schon einmal erzählt, die Zeugin Alexandra I., Volkswirtin, 40 Jahre, einst enge Mitarbeiterin von Ex-Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky und eine echte Stütze im kleinen Team der Bank für die Formel 1-Beteiligung. Damals war es sein Strafprozess vor dem Landgericht München I, sie nannte ihn noch „Dr. Gribkowsky“, seinen Gegenspieler „Herrn Ecclestone“ und formulierte vorsichtig.

Heute sind es nur noch „der Gribkowsky“ und „Bernie“. Der eine büßt eine langjährige Haftstrafe ab, weil er sich 2005 vom anderen mit 44 Millionen Dollar bestechen ließ, wie er 2012 gestand. Der mutmaßliche Bestecher, Formel 1-Chef Bernie Ecclestone, sitzt heute Blickrichtung links von der Zeugin I. auf der Anklagebank. Beide schont sie nicht.

Vor allem macht sie klar, dass Ecclestone ganz klar wusste, dass die Landesbank eine öffentliche Bank war und Gribkowsky mit seiner Truppe mithin nicht nur „bloody bankers“, sondern sogar „civil servants“, also Beamte.

Sie kann sich zwar nicht genau an diese Formulierung erinnern und auch an keinen konkreten Anlass bei dem Ecclestones Wissen um die Umstände in München klar wurde. Die Befindlichkeiten der Landesbank-Gesellschafter seien aber in vielen Telefonaten zwischen Gribkowsky und Ecclestone diskutiert worden, die sie über Lautsprecher mitgehört habe: „Ich bin mir sicher, dass er das mal gesagt hat“.

Einmal habe die Zeugin den Formel 1-Chef auch selbst in die Schranken gewiesen, mit Verweis auf „unsere Anteilseigner“, die für ihre Entscheidungen Informationen und Bewertungen bräuchten „und nicht nur das Bauchgefühl von Herrn Ecclestone“.

Diese Aussagen – denn in der Amtsträgerschaft Gribkowskys liegt einer der Knackpunkte des Prozesses – reißen Ecclestone-Anwalt Sven Thomas förmlich vom Stuhl. Er gibt höhnische Kommentare ab, wühlt in seinem Aktenkoffer, gestikuliert und geht die Zeugin noch während der Befragung durch den Richter an: „Das möchte ich mal wörtlich hören. Die Herrschaften haben ja Englisch gesprochen. Wie haben Sie denn den Sparkassenverband erklärt?“

Der Vorsitzende Richter Peter Noll, der den Charakterkopf Thomas schon viele Prozesstage in dieser Art hat recht frei agieren lassen, schreitet heute ein: „Immer wenn es Ihnen nicht passt, reden Sie dazwischen und bringen die Zeugin aus dem Text“. Diese Zeugin, selbst begleitet von einem Anwalt, bleibt aber erstaunlich gefasst.

Dass die schmale Frau, damals erst um die 30, ziemlich viel Stehvermögen besitzt, hat sie einst bewiesen in dem jahrelangen Streit zwischen Ecclestone, seiner Familienholding Bambino, der Bayerischen Landesbank und zwei amerikanischen Banken.

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„Man muss auch mal vergessen können“

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