Forschungsprojekt: Die Entzauberung des Arnold Schwarzenegger

Forschungsprojekt
Die Entzauberung des Arnold Schwarzenegger

Bodybuilder, Filmschauspieler, Politiker: Arnold Schwarzenegger hat eine eigentümliche Karriere gemacht. Offenbar Grund genug, dass der 62-Jährige jetzt auch zum Forschungsobjekt wird. Heidelberger Nachwuchsforscher der Amerika-Studien haben sich den „Terminator“ ausgeguckt, um anhand seiner Person das Besondere der US-amerikanischen Kultur aufzuzeigen.

HEIDELBERG. Als Bodybuilder und Filmschauspieler machte der gebürtige Österreicher international Karriere, dann wechselte er in die Politik und wurde in den USA zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. Dass Schwarzenegger ein Phänomen ist, weil er geschafft hat, wovon Andere allenfalls träumen können, hat nun Wissenschaftler auf den Plan gerufen. Bis Sonntag werden sich Experten aus Geschichts-, Politik- und Kulturwissenschaften an der Universität Heidelberg mit den Themen „Körper“ und „Image“ auseinandersetzen. Sie wollen anhand der Person Schwarzenegger erklären, wie die US-amerikanischen Kultur und Gesellschaft funktioniert. Schwarzenegger sei eine "kulturelle Ikone", an dessen Vita sich auch die Besonderheiten des politischen Systems exemplarisch beobachten lassen, betont Simon Wendt, der die Veranstaltung zusammen mit Michael Butter (Freiburg) und Patrick Keller (Berlin) initiiert hat.

Schwarzenegger und das Bodybuildung in den USA sowie Körper und Image in seinen Filmen sind demnach erste Themenschwerpunkte der Tagung. Anschließend werden sich die Teilnehmer mit der Politik der Bilder in Schwarzeneggers Karriere auseinandersetzen und sich darüber hinaus mit seiner amerikanischen Imagepolitik beschäftigen. "Arnold Schwarzenegger ist eine Linse, durch die man die US-amerikanische Gesellschaft gut betrachten kann", erklärt Wendt, Experte für Transcultural Studies, im Gespräch mit dem Wiener "Standard". Schwarzenegger verdanke seine Karriere vom Bodybuilder zum Schauspieler und Politiker den kulturellen Eigenheiten der USA, da erst diese ihm den Aufbau eines bestimmten Images ermöglicht hätten.

Andererseits habe er selbst auch vor dem Eintritt in die Politik die US-Gesellschaft bedeutend geprägt. "Er machte erst die Fitnessbewegung salonfähig." Zudem sei er durch die Auswahl der Filme, an denen er beteiligt war, zur kulturellen Ikone geworden, sagt Wendt. Schwarzenegger halte damit den Mythos aufrecht, man könne es in den USA durch harte Arbeit vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen. Zudem habe er die Umsetzung seiner früheren Ankündung erreicht, zuerst weltbester Bodybuilder zu werden, dann Filmstar, dann eine schöne und bekannte Frau zu heiraten und schließlich in die Politik zu gehen.

Das Image, das Schwarzenegger durch seine "Terminator"-Filme anhaftet, nutzte sich nach Wendts Beobachtung später, als der gebürtige Österreicher in die Politik wechselte, stark ab. In der kalifornischen Realität sei es Schwarzenegger nicht gelungen, seine medienwirksame Auftritte bei Waldbränden in Erfolge umzumünzen. Der scheinbar "volksnahe Problemlöser" habe erkennen müssen, dass viele seiner Vorhaben durch starken politischen Gegenwind und die finanzielle Schuldenkrise des US-Bundesstaates Kalifornien vereitelt worden seien. "Die Politik hat Schwarzenegger entzaubert. Er hat sein Heldenimage aufgebraucht, wird jedoch noch als Idol wahrgenommen", so die Analyse des Amerikanisten.

Im November 2010 endet die Amtszeit Schwarzeneggers endgültig, denn eine zweite Verlängerung ist nicht möglich. "Er wird in der verbleibenden Zeit nicht mehr viel verändern können", sit sich Wendt sicher. Da weitere Kürzungen zur Verringerung des Haushaltsdefizits anstünden. Prognosen für die weitere Zukunft seien daher schwer zu treffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%