Forschungsprojekt
Die Mauer als Denkmal

46 Jahre nach der Teilung der Stadt beginnt in Berlin die wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Berliner Mauer „als Symbol des Kalten Krieges: vom Instrument der SED-Innenpolitik zum Baudenkmal von internationalem Rang“ lautet ein neues Forschungsprojekt. Auf interdisziplinärer Spurensuche.

BERLIN. Wo sich am Ufer der Berliner Spree Leonid Breschnew, graffitiübersät, und Erich Honecker zum legendären „Bruder“-Kuss vereinigen, ist die „East Side Gallery“, der bekannteste Mauerrest der Welt. Nach der Wende wurde hier der Betonwall von Künstlern bemalt und der Nachwelt hinterlassen. Die streitet über Erhalt und längst fällige Restauration des denkmalgeschützten Areals.

30 Kilometer westlich: Die Holzwand des doppelstöckigen Hauses ist braungräulich verwittert, die Fenster sind eingeworfen. Am Maschendrahtzaun ist eine Warntafel befestigt. „Lebensgefahr! Betreten und Befahren verboten. Bundesvermögensamt Potsdam“, steht über dem Bundesadler. An diesem geheimnisvollen Anwesen kommt jeder Besucher vorbei, wenn er vom Stadtteil Kladow, im äußersten Osten des ehemaligen West-Berlins, zur idyllisch gelegenen Hilandsinsel und in den Schlosspark Sacrow gelangen will. Zwischen Kladow und Sacrow verlief einst der Eiserne Vorhang, mit Mauer und Grenzbefestigungen, mit Todesstreifen und mit Einrichtungen des „Grenzregiments 44 Walter Junker“, das unter anderem für die Abriegelung Potsdams gegen West-Berlin zuständig war.

Was es genau mit diesen Gebäuden im Todesstreifen auf sich hatte, welche (Repressions-)Funktion sie hatten, welche militärischen oder polizeilichen oder staatssicherheitsdienstlichen Wirkungen damals von ihnen ausgingen und ob sie womöglich heute auf irgendeine Weise erhaltenswert sind – auch das wird Gegenstand von Erörterungen sein, die Leo Schmidt mit seinen Wissenschaftlerkollegen seit einem halben Jahr anstellt.

Schmidt, Professor für Denkmalpflege an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), leitet ein neues interdisziplinäres Projekt zur Erforschung der Berliner Mauer „als Symbol des Kalten Krieges: vom Instrument der SED-Innenpolitik zum Baudenkmal von internationalem Rang“. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird mit rund 360 000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Beteiligt ist neben den Denkmalpflegern aus Cottbus eine Gruppe von Wissenschaftlern um den DDR-Forscher Manfred Wilke von der Berliner Außenstelle des „Instituts für Zeitgeschichte“. Wilke und sein Kollege Michael Kubina beschäftigen sich mit den Absichten und Zielen der politischen Entscheidungsträger in der SED und der Frage, wie die Mauer vom Instrument der Problemlösung selbst zum Problem wurde.

Zum Forscherteam gehören auch zwei Bundeswehroffiziere vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in Potsdam. Oberst Winfried Heinemann und Oberleutnant Maurer wollen am Beispiel des Grenzkommandos Mitte die Struktur, Zusammensetzung sowie den Einsatz der DDR-Grenztruppen untersuchen und deren Einfluss auf Gestaltung und Weiterentwicklung der verschiedenen Sperrelemente der Grenzanlage analysieren.

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