Forschungsschiff im Packeis
Wer die Kosten der Antarktis-Rettung trägt

Die Expeditionsteilnehmer haben das Forschungsschiff am Donnerstag verlassen – nach neun Tagen im Eis. Doch die Rettungsaktion war teuer, der ganze Ausflug möglicherweise fahrlässig. Wer zahlt jetzt die Rechnung?
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SydneyAufgekratzt wie Kinder auf Klassenfahrt gingen die Teilnehmer der Antarktis-Expedition am Donnerstag von Bord zum Helikopter. Nach neun Tagen im Eis konnten sie das eingeschlossene Forschungsschiff „MV Akademik Shokalskiy“ nicht schnell genug verlassen. Die Hubschrauberaktion zur Rettung war heikel, das Aufatmen groß, als alles wie am Schnürchen lief. Jetzt kommen die Fragen: Wer zahlt für die Rettung? War der Ausflug nötig? War er gar fahrlässig?

Australische Medien schätzen den Preis für die Rettungsaktion der Wissenschaftler und Touristen auf mehrere Millionen Dollar. Kosten für Such- und Rettungsaktionen werden laut Statut der australischen Seesicherheitsbehörde (Amsa) zwar getragen. Das dürfte allerdings nicht mögliche Forderungen der Eigner der zur Hilfe herbeigeeilten Eisbrecher einschließen.

Das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (Solas) verpflichtet Schiffe auf hoher See, auf Notrufe umgehend zu reagieren. In der Regel kann der Eigner des in Not geratenen Schiffes später zur Kasse gebeten werden. Die „Shokalskiy“ fährt unter russischer Flagge - die Australasiatische Antarktis-Expedition 2013/14 hat sie gechartert. Im Chartervertrag müsste die Haftpflicht für Rettungsaktionen näher geregelt sein.

Drei Eisbrecher hatten seit Heiligabend ihren Kurs geändert, um der „MV Akademik Shokalskiy“ zur Hilfe zu eilen. Das französische Schiff drehte nach drei Tagen wegen der aussichtslosen Lage ab und wurde aus der Helferpflicht entlassen, aber die Eisbrecher „Snow Dragon“ aus China und die „Aurora Australis“ aus Australien mussten ihre eigentliche Arbeit tagelang unterbrechen.

Allein die „Aurora“ schlägt nach Medienberichten in Australien mit fast 40.000 Euro Kosten zu Buche - pro Tag.

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