Fort McMurray und die Feuerwalze Waldbrände haben sich binnen einen Tages verdoppelt

Der Feuerwalze in der kanadischen Provinz Alberta ist kein Einhalt zu gebieten. Nach der Stadt Fort McMurray rollt sie jetzt auf die benachbarte Provinz Saskatchewan zu. 100.000 Menschen befinden sich auf der Flucht.
Update: 08.05.2016 - 19:42 Uhr

Zaghafte Zuversicht: Kampf gegen die Waldbrände in Kanada

EdmontonDie Waldbrände in Kanadas Provinz Alberta dehnen sich „unkontrolliert“ weiter aus. Sie könnten nach Angaben von Albertas Regierungschefin Rachel Notley bis zum Sonntagmorgen (Ortszeit) das benachbarte Saskatchewan erreicht haben. Von Samstag- bis Sonntagfrüh habe sich die brennende Fläche auf rund 200.000 Hektar verdoppelt, erklärte die Katastrophenschutzbehörde der Provinz Alberta. Die Lage in den Brandgebieten sei weiter „unvorhersehbar und gefährlich“, sagte Kanadas Sicherheitsminister Ralph Goodale. Der Kampf gegen die Flammen werde wohl noch Monate dauern, erklärte der Chef der Feuerwehr der Provinz Alberta, Chad Morrisson.

Bereits bis Samstagabend war die Fläche des Flammenmeers in Kanadas Ölsandregion auf 2000 Quadratkilometer geschätzt worden. Das entspricht mehr als der doppelten Fläche von Hamburg. Experten rechnen nach einem Bericht des Fernsehsenders CTV damit, dass das Feuer noch Wochen lodern wird.

Bei einer Pressekonferenz am Samstagabend drängte Notley die Einwohner der am schwersten getroffenen Stadt Fort McMurray, vorerst nicht zurückzukehren. „Selbst wenn das Feuer gelöscht ist, fällt noch enorme Arbeit an, um die Stadt wieder sicher und bewohnbar zu machen“, sagte sie laut CTV. Die meisten Straßen hätten keinen Strom. Das örtliche Wasser sei „nicht trinkbar“, und überall drohten Gefahren.

Am Samstag war die Polizei in einigen von Fort McMurrays Häusern auf Menschen gestoßen, die trotz des Evakuierungsbefehls in der brennenden Stadt geblieben waren – unter ihnen eine Familie mit drei kleinen Kindern und ein älterer Mann mit Hund. Sie hätten keine Möglichkeit zur Flucht gehabt, als die Stadt geräumt wurde, sagte Polizeisprecher Kevin Kunetzki. „Bei dem vielen Rauch, den wir haben, machen wir uns Sorgen um ihre Gesundheit und setzen alle Hebel in Bewegung, damit sie schnell hier rauskommen.“

Großfeuer wütet in Kanadas Ölsand-Hauptstadt
Das Feuer verwüstet ganze Städte
1 von 11

Meterhoch schlagen sich die Flammen durch die kanadische Provinz Alberta, Wind trägt das Feuer weiter nach Norden. Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht, doch Zehntausende Menschen bangen um ihr Zuhause.

Feuer in Fort McMurray
2 von 11

90.000 Menschen hat das Feuer in die Flucht geschlagen. Die Stadt hat deswegen weiträumige Evakuierungen veranlasst.

Flucht vor Inferno
3 von 11

Berichten zufolge erschwerten Benzinknappheit und Staus die Evakuierung. Feuerwehrleute hatten zudem wegen ungünstiger Wetterbedingungen Schwierigkeiten, die Flammen in Schach zu halten. Fort McMurrays Feuerwehrchef Darby Allen sprach von einem „ekelhaften, dreckigen Feuer“ und dem schlimmsten Tag seiner Karriere bei der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte erwarteten, dass der Wind die Brände noch weiter nach Norden trägt.

Polizisten überwachten die Evakuierung
4 von 11

An den Kreuzungen postierten sich Polizisten, um zu verhindern, dass die Einwohner von der vorgegebenen Route abweichen, um Habseligkeiten aus ihren Häusern zu retten. Über der Stadt kreisten drei Armeehubschrauber, um Alarm zu schlagen, falls die Flammen dem Highway 63 zu nahe kommen sollten.

Staus auf den Straßen
5 von 11

Auf den Straßen Richtung Norden bildeten sich lange Staus, nachdem die Polizei alle in den Süden führenden Routen gesperrt hatte.

Die Ersten erreichen die Notunterkünfte
6 von 11

Die flüchtenden Menschen kamen in Notunterkünften unter. „Unsere Teams setzen sich in Bewegung, um die betroffenen Menschen, Familien und Gemeinden auf jede mögliche Art zu unterstützen“, sagte Jean-Philippe Tizi, Vizepräsident für Notfallmanagement beim Roten Kreuz, das auch zu Spenden für die Betroffenen aufrief.

Winde fachen die Brände an
7 von 11

Das Feuer war schon am Wochenende südwestlich der Stadt ausgebrochen, starker Wind trieb die Flammen dann am Dienstag nach Fort McMurray. Die Provinz Alberta hatte 2015 die schlimmste Dürre seit 50 Jahren erlebt und leidet seit vergangener Woche unter einer Hitzewelle.

Die 25.000 Menschen, die nördlich der Stadt Fort McMurray festsaßen, wurden inzwischen jedoch fast alle gerettet. Sie waren zunächst in den Norden der Stadt geflohen. Doch dann schnitt ihnen das Feuer den Rückweg ab. Laut Kunetzki hat die Polizei inzwischen 1500 bis 1700 Fahrzeuge in Konvois durch die immer noch schwelende Stadt gen Süden geleitet. Stoßstange an Stoßstange zogen sich Kolonnen aus jeweils 50 Autos durch die teilweise zerstörte Stadt. Später wurde die Zahl der Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen auf 25 gesenkt.

Kanadas Premierminister sagt Unterstützung zu
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Fort McMurray und die Feuerwalze - Waldbrände haben sich binnen einen Tages verdoppelt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%