Fotos statt Metall
Schluss mit den Liebesschlössern von Paris

54 Tonnen Schlösser haben Liebende auf der Pariser Brücke Pont des Arts angebracht. Doch die alten Gemäuer drohen unter der Last zusammenzubrechen. Nun fordert die Stadt die Touristen auf, mit der Tradition zu brechen.
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ParisSchlangen stehen vor der Pont des Arts am Louvre. Auf den Holzdielen der alten Fußgängerbrücke drängen sich Touristen aus aller Welt. Ein Hochzeitspaar wird gerade fotografiert, küssende Paare sind keine Seltenheit, Liebesschlösser auch nicht. Davon hängt das Geländer der Brücke voll, wie mittlerweile auch auf zahlreichen anderen Seine-Brücken in Paris. Doch die Pont des Arts, von der man einen der schönsten Blicke über die Stadt hat, ist besonders betroffen.

Die Tradition nimmt seit 2008, als sie vermutlich aus Italien oder Osteuropa importiert wurde, immer mehr Überhand. 54 Tonnen Schlösser haben die Liebenden überall auf den 150 Metern auf beiden Seiten der Brücke im Laufe der Zeit angebracht. Die Schlüssel versenken sie in der Seine. Die Liebesgeste ist für viele schon zur Touristenattraktion geworden, sie kommen und betrachten andächtig die Schlösser auf denen sich Elise und Dan oder Adam und Sarah und unzählige andere Paare verewigt haben.

Das sorgt für Sicherheitsprobleme. Die alten Bauwerke leiden unter den Metallmassen und könnten zusammenbrechen. Die Geländer werden immer mal wieder ausgewechselt, was Zeit und Geld kostet. Genaue Angaben darüber, wie hoch die Kosten sind, hat die Stadt Paris noch nicht, aber „es wird immer mehr, weil das Phänomen zunimmt“.

Schnell sind die Brüstungen nach einer Reinigung wieder voll, vor allem auf der Pont des Arts. Das Geländer war im Juni kaum noch zu sehen, als ein Teil unter der Last der Schlösser zusammenbrach. 500 Kilogramm Metall hingen daran.

Seitdem sind die Schlösser gar nicht mehr gern gesehen. Zur Rettung ihrer alten Brücken fordert die Stadt Paris in einer neuen Kampagne die Liebenden dazu auf, keine Schlösser mehr aufzuhängen und sich stattdessen mit Selfies auf der Brücke zu verewigen. Außerdem wird darüber nachgedacht, Brüstungen anzubringen, an denen man keine Schlösser aufhängen kann.

Die Sorge der Stadt um die alten Bauwerke kümmert die Touristen, die im August massenhaft die Stadt der Liebe besuchen, aber wenig. In wenigen Minuten entdeckt man bei einem Brückenbesuch gleich mehrere, die ihre Liebe – oder auch Freundschaft mit einen Schloss unter Beweis stellen wollen.

Kaum noch Platz ist da und an vielen Stellen ist der Maschendraht der Brücke vom Gewicht schon abgerissen. Gerne wird der Liebesbeweis auch per Video verewigt, vom Schloss anstecken bis zum Schlüssel in die Seine werfen.

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„Sollen doch die Ingenieure eine Lösung finden“

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