Fragwürdige Delikatessen
Wenn der Hund auf dem Teller landet

Seit vier Jahren ist auf den Philippinen der Verzehr von Hundefleisch verboten. Doch ein blühender Schwarzmarkt versorgt Liebhaber weiter mit der Delikatesse. Tierschützer wollen dem Schlachtbetrieb ein Ende machen.
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ManilaGekocht mit Zwiebeln und Lauch oder gedünstet in Essig und Sojasoße. So aß die Familie von Marlyn Padong Hundefleisch am liebsten. In den kühlen Bergprovinzen der nördlichen Philippinen gelten Struppi und Rex als Delikatesse. Doch Hundefleisch steht nur noch selten auf der Speisekarte der 55-jährigen Dorfbeamtin aus Baguio City 210 Kilometer nördlich von Manila. „Das letzte Mal war im Januar, als mein Bruder zu Besuch kam und Lust auf Hund hatte“, erzählt sie. „Wir haben etwas von einem Nachbarladen gekauft. Wir essen nur noch selten Hundefleisch, denn eigentlich ist es ja verboten.“ 

Der Verkauf von Hundefleisch für den menschlichen Verzehr ist auf den Philippinen seit 2007 verboten. Ein Tierschutzgesetz aus dem Jahr 1998 verbietet außerdem die Tötung von nicht für den Verzehr bestimmten Tieren - zu denen auch Hunde zählen. Ausnahmen sind erlaubt: bei religiösen Zeremonien indigener Stämme oder einer unheilbaren Krankheit des Tieres. 

Der illegale Handel aber boomt, etwa 2,8 Millionen Euro soll er im Jahr einbringen, schätzt die Organisation Clean Governance. Im Juli wurden vier Hundefleischhändler schuldig gesprochen, im letzten Jahr 30 geschlachtete Hunde nach Baguio City transportiert zu haben. Das Gericht verurteilte die Männer zu einem Jahr Gefängnis und verhängte eine Gesamtgeldstrafe von 300.000 Pesos (4900 Euro). 

Es sei das erste Urteil gegen die Hundefleischmafia seit dem Verbot vor vier Jahren, gibt die Animal Kingdom Foundation an. Die Tierschutzorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hunde vor den illegalen Schlächtern zu retten. Auf dem Höhepunkt des Handels in den 1980er Jahren wurden nach Angaben von Anna Cabrera, der Direktorin der Philippinischen Tierschutzgesellschaft, etwa eine Million Hunde pro Jahr abgeschlachtet. Ihr Fleisch wurde auf öffentlichen Märkten verkauft. 

Hunde werden immer noch für ihr Fleisch getötet, „aber heute passiert das hinter verschlossenen Türen“, sagt Cabrera. Freddie Farres von Clean Governance schätzt, dass pro Jahr etwa 290.000 Hunde ihr Leben für den Kochtopf lassen.

Hundefleisch wurde von den Stämmen in der Region Cordillera zunächst aus spirituellen Gründen gegessen. „Sie glaubten, dass, wenn in einer Familie oder im Clan ein Unglück geschah, der Familienhund geopfert werden muss und die Familienmitglieder das Fleisch essen müssen“, erzählt Farres. Der Geist des geopferten Hundes sollte die Familie beschützen.

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  • In anderen Regionen der Welt gibt es nun einmal andere Nutztiere. Wir Europäer sind viel zu verwöhnt was das betrifft. Dummerweise stellen die westlichen Staaten ihre Ansichten und "Bräuche" als die einzig richtigen dar in der Welt und lassen nix anderes zu.

    Der eine frisst Frösche und Schnecken, der Nächste Schweine,Rinder oder Schafe und der andere halt Hunde und Katzen (is ja nicht so, das diese Tiere vom Aussterben bedroht wären, oder^^?) - wo liegt das Problem? Viel dringender wäre es die Überfischung der Meere zu stoppen und die Jagd auf vom Aussterben bedrohte Tierarten. Diese werden Teilweise ja nicht einmal als Nahrung getötet sondern weil man sich irgendwelche Zähne und Knochen von ihnen um den Hals hängen will oder auf den Wohnzimmertisch/in die Vitrine stellen will. Das ist viel perfider und perverser als Hunde zu essen^^

  • Struppi und Rex als Delikatesse. Das ist nicht sprachwitzig, das ist geschmacklos.

  • Wenn man sich schon von tierleichen ernährt, was spricht denn wirklich gegen Hundefleisch???

    Oder ruft das schwein Halleluhja, wenn es gekillt wird?

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