„Frankenstorm“
New York zittert vor dem Monstersturm

Evakuierte Stadtviertel, stillgelegte U-Bahnen, die Börse NYSE nur im Halb-Betrieb: Die Millionen-Metropole New York bereitet sich auf den Einschlag des Hurrikans „Sandy“ vor. Heute Nachmittag soll es so weit sein.
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New YorkDer Supermarkt „Gristedes“ an der 96. Straße in Manhattan ist eigentlich nur etwas für faule Leute. Überteuert, mäßig sortiert – hier geht man nur hin, wenn einem der bessere Markt drei Blocks weiter zu weit ist. Entsprechend leer ist es dort die meisten Tage. Am Sonntagnachmittag jedoch drängelten sich Hunderte Kunden bei „Gristedes“: Sie hamsterten Wasser, Kerzen und Konservendosen. Draußen wehte es da bereits heftig, es waren die ersten Anzeichen des herannahenden Hurrikans „Sandy“.

New York bereitete sich am Sonntag auf eine äußerst seltene Wetterlage vor, die US-Medien wahlweise „perfekter Sturm“, „Jahrhundertsturm“ oder „Frankenstorm“ nennen: die Kombination aus „Sandy“, vom Süden kommend, einem Wintersturm aus dem Westen und einem Vollmond-bedingten hohen Meeresspiegel. Nach jüngsten Berechnungen soll der Sturm „Sandy“, der bereits in der Karibik gewütet und 65 Menschenleben gekostet hatte, am Montagmorgen an der Küste New Jerseys auf Land treffen und dann weiter landeinwärts drehen.

„Das ist ein ernst zu nehmender und gefährlicher Sturm“, sagte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg. Bereits am Sonntag ordnete er die Evakuierung niedrig gelegener Stadtteile an, der U-Bahn-Verkehr wurde ab 19 Uhr abends eingestellt. Das gab es bislang nur einmal, als Hurrikan „Irene“ im August 2011 über New York hinweggefegt war. Gleichzeitig eröffneten am Sonntag über die Acht-Millionen-Metropole verteilt 70 Notunterkünfte für Bürger. Am Montag bleiben Ämter und öffentliche Schulen geschlossen.

Auch die Unternehmenswelt ist von „Sandy“ betroffen. So sollen alle Filialen und Büros der Kreditkartenunternehmens American Express am Montag geschlossen bleiben, der Pharmakonzern Pfizer sagte die Präsentation seiner Quartalszahlen ab. Die wichtigste Börse NYSE wird erstmals seit dem Sturm „Gloria“ im jahr 1984 nur elektronisch handeln, der Handelssaal selbst bleibt dicht.

Das am Wasser gelegene Finanzviertel am südlichen Ende Manhattans gilt als flutgefährdet. Die Citigroup und Goldman Sachs bereiteten sich laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg darauf vor, die Geschäfte vorübergehend von anderen Städten aus zu führen. Auch andere Großinstitute wie die Deutsche Bank und die UBS haben demnach Vorkehrungen getroffen, unter anderem zum Transport ihrer Mitarbeiter zu eigens angemieteten Hotels.

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  • Aus einem Telefonat von Obama mit - you know whom - "Hi Gerhard, how did you manage to turn floods into an election victory ?"...

  • Nur zur Information: Sturm Gloria fand im Jahr (hier bitte ebenfalls den "J" - Fehler korrigieren) 1985 statt.

  • Wie sich die Welt doch verändert: die einstige politische und wirtschaftliche Macht der Welt zittert vor dem esoterisch gesagt: Universum. "Rudern! Rudern!" so würde man im Ruderraum von Ben Hur rufen. Rudern mit der Angst, der Panik. Ein neues, amerikanisches Phänomen. Das Imperium schlägt zurück!!

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