Frankreich Bruder von Toulouse-Attentäter zu 20 Jahren verurteilt

Die Mordserie von Toulouse 2012 war der Auftakt einer Serie von islamistischer Anschläge in Frankreich. Mohamed Merah starb im Kugelhagel der Polizei. Nun wurde das Urteil gegen seinen Bruder Abdelkader Merah gesprochen.
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Eric Dupont-Moretti, Anwalt von Abdelkader Merah, nach der Verurteilung seines Mandanten Quelle: Reuters
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Eric Dupont-Moretti, Anwalt von Abdelkader Merah, nach der Verurteilung seines Mandanten

(Foto: Reuters)

ParisFünfeinhalb Jahre nach der islamistischen Terrorserie mit sieben Toten in Südfrankreich hat ein Gericht den angeklagten Abdelkader Merah zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Er sei an einer terroristischen Vereinigung mit seinem Bruder Mohamed beteiligt gewesen, urteilte das Schwurgericht am Donnerstag in Paris. Bei der Anschlagsserie von Mohamed Merah 2012 im Großraum Toulouse starben insgesamt sieben Menschen.

Das Gericht machte sich aber den Vorwurf der Beihilfe zu den Morden nicht zu eigen und blieb mit dem Strafmaß für Abdelkader Merah unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten lebenslänglichen Freiheitsstrafe.

Ein weiterer ebenfalls 35-jähriger Angeklagter erhielt eine Haftstrafe von 14 Jahren, weil er an einer terroristischen Vereinigung beteiligt war. Ihm war vorgeworfen worden, dem Attentäter Mohamed Merah unter anderem eine Waffe überlassen zu haben. Es war der erste große Prozess zu einem der schweren Terroranschläge, die Frankreich in den vergangenen Jahren erschütterten.

Attentäter wollte mit Waffe in der Hand sterben
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Der mutmaßliche Serienkiller von Toulouse ist tot. Nach einer mehr als 30-stündigen Belagerung stürmte die Polizei am Donnerstagvormittag die Wohnung, in der sich der Mann seit dem frühen Mittwoch verschanzt
hatte. Nach mehrminütigem Schusswechseln sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. Dann sei er tot auf dem Boden gefunden worden.

An ambulance arrives on the scene to evacuate injured policemen during a raid on a five-storey building to arrest a suspect in the killings of three children and a rabbi on Monday at a Jewish school, in Toulouse
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Bei dem fünfminütigen schweren Feuergefecht sind auch zwei Polizisten verletzt worden, die mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurden.

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Innenminister Claude Guéant stellte sich indessen der Presse und dankte den Beamten für ihren „extrem schwierigen Einsatz“.

An undated and non-datelined frame grab broadcast by French national television station France 2 who claim it shows Mohamed Merah
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Der mutmaßliche Attentäter von Toulouse, Mohamed Merah, war nicht bereit sich zu ergeben. Er starb schließlich bei einer Schießerei bei der Erstürmung der Wohnung.

France School Shootings
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Der 23-Jährige bekannte sich laut Staatsanwaltschaft zu den drei Angriffen, bei denen in den vergangenen Tagen in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet wurden, darunter drei jüdische Kinder.

Claude Guéant
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Der französische Innenminister Claude Guéant hatte vor der Erstürmung der Wohnung betont, es habe in den vergangenen Stunden keine Gespräche mit Mohamed Mehra gegeben. „Wir haben während der Nacht keinen Kontakt mit ihm gehabt, alle Hypothesen sind möglich; wir hoffen, er lebt noch“, sagte Guéant noch am Donnerstagmorgen.

Raid on house of the alleged shooter involved in Toulouse shootin
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Priorität der Polizei war es gewesen, den 23-Jährigen lebend zu fassen, damit er sich vor der Justiz verantworten muss. Mehra jedoch hatte erklärt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben.

„Die Richter (...) haben dem Druck der öffentlichen Meinung widerstanden“, sagte der Anwalt von Abdelkader Merah, Eric Dupond-Moretti. Er schloss eine Berufung nicht aus - das müsse mit seinem Mandanten beraten werden. Abdelkader Merah hatte Stunden vor dem Urteil vor Gericht seine Unschuld beteuert.

Ein Anwalt des anderen Angeklagten kündigte laut Nachrichtenagentur AFP an, sein Mandant wolle in Berufung gehen. Rechtsvertreter der Nebenkläger sagten demnach, diese könnten mit dem Urteil zufrieden sein. Der wochenlange Prozess hatte zu massiven Spannungen geführt - beim Medienauftritt des Starverteidigers Dupond-Moretti gab es Buhrufe.

Die Haftstrafen für die beiden Verurteilten wurden mit einer besonderen Regelung ergänzt, wonach mindestens zwei Drittel verbüßt werden müssen.

Der 23-jährige Mohamed Merah hatte im März 2012 über mehrere Tage drei Soldaten sowie einen Lehrer und drei Kinder einer jüdischen Schule ermordet. Der Angreifer starb dann im Kugelhagel der Polizei. Er hatte sich selbst als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

Knapp drei Jahre nach den Morden von Toulouse griffen Islamisten das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris an. Es folgten weitere Anschläge, darunter die verheerenden Attacken der Pariser Terrornacht vom 13. November 2015 und der Lkw-Anschlag von Nizza. Seit Anfang 2015 wurden dabei in Frankreich etwa 240 Menschen ermordet.

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