Frau von Christo
Künstlerin Jeanne-Claude ist tot

Die Künstlerin Jeanne-Claude ist tot. Die Frau des Verhüllungskünstlers Christo starb am Mittwoch im Alter von 74 Jahren in New York. as bestätigte der Fotograf der Werke des Paares, Wolfgang Volz, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Jeanne-Claude sei an einer Hirnblutung (Aneurysma) gestorben.
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HB NEW YORK. Mit der Verhüllung des Berliner Reichstags haben sie weltweit für Furore gesorgt: Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude galt als unzertrennlich. Doch nun hat das Schicksal die beiden Künstler, die 1935 am selben Tag geboren sind und seit 51 Jahren zusammen waren, unerwartet auseinandergerissen. Jeanne-Claude starb am Mittwochabend in einem Krankenhaus in New York. Sie wurde 74 Jahre alt. Eine erweiterte Ader in ihrem Gehirn war geplatzt.

Christo sei zutiefst traurig über den Tod seiner Gefährtin, teilte der Fotograf der Familie, Wolfgang Volz, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. „Er will das Versprechen einlösen, dass sie einander vor vielen Jahren gegeben haben: dass die Kunst von Christo und Jeanne-Claude weiterleben soll.“

Für das Paar, das zu den schillerndsten und spannendsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene gehört, kommt das Ende viel zu früh. Die beiden arbeiteten noch unter Hochdruck an zwei gemeinsamen Großprojekten.

So soll am Fluss Arkansas eine mehr als zehn Kilometer lange Wegstrecke verhüllt werden. Drei bis sieben Meter über dem Wasser soll eine glänzende Woge aus Gewebe entstehen, die durch Brücken, Felsen, Bäume und Lichtströme unterbrochen wird. Bei dem zweiten Projekt geht es um mehr als 400 000 aufgestapelte Ölfässer in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Christo fühlt sich verpflichtet, die laufende Arbeit zu vollenden - so wie Jeanne-Claude sich das gewünscht hätte“, sagte der Fotograf.

Die Künstlerin war am 3. Juni 1935 in Casablanca auf die Welt gekommen - am selben Tag und angeblich sogar zur selben Stunde wie ihr späterer Partner. Zunächst beim Vater aufgewachsen, kam sie nach dem Krieg wieder in die Obhut ihrer Mutter und lebte in Tunesien und Paris ein privilegiertes Leben. Sie begann zunächst eine Ausbildung als Flugbegleiterin, ehe sie durch ihn den Weg zur Kunst fand.

1958 lernten sie sich in Paris kennen. Der gebürtige Bulgare hatte den Auftrag bekommen, Jeanne-Claudes Mutter zu porträtieren. Nach einigen Umwegen und vielen Herz-Schmerz-Geschichten wurden Christo und Jeanne-Claude ein Paar. Doch durfte ihre Familie wegen der Standesunterschiede zunächst nichts davon erfahren. Im Mai 1960 kam Sohn Cyril auf die Welt. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit.

Schon kurz vor der ersten Begegnung hatte Christo seine erste Farbdose verhüllt, indem er sie mit harzgetränkter Leinwand umwickelte, verschnürte und mit Leim, Sand und Autolack behandelte. Seither sind Christo und Jeanne-Claude zu Superstars der internationalen Open-Air-Kunst aufgestiegen.

Als ihr Meisterwerk gilt die Verhüllung des Reichstags 1995. Mehr als 200 Helfer ließen das historische Gebäude Stück für Stück unter einem silbern glänzenden Gewebe verschwinden. Für die Verwirklichung hatte das Paar fast ein Vierteljahrhundert gekämpft, der Bundestag genehmigte die Aktion im Februar 1994 nach langen Diskussionen.

Weitere aufsehenerregende Werke entstanden unter anderem an der Küste von Australien, in einem Tal der Rocky Mountains und an der Brücke Pont Neuf in Paris. Das letzte gemeinsam vollendete Großprojekt waren die „Tore“ im Central Park von New York. Riesige safrangelbe Stoffbahnen waren auf eine Strecke von 37 Kilometer wehend hintereinander aufgehängt.

New York war für das Paar seit 1964 zur Heimat geworden. In seinem einfachen, von bröckligen Mauern eingerahmten Atelier in der fünften Etage einer ehemaligen Fabrik im Süden von Manhattan hat Christo die meisten seiner Großinstallationen entworfen. Jeanne-Claude führte ein Stockwerk tiefer vom gemeinsamen Appartement aus Regie. Sie fertigte Neugierige ab und sorgte dafür, dass für Christos Atelierpausen frische Soja-Milch und Knoblauchzehen bereit stehen.

Für das Duo - seit 1994 stehen offiziell beide Namen zusammen und gleichberechtigt für ihre Werke - war die Eigenfinanzierung eisernes Arbeitsprinzip. Sponsoren und Zuschüsse aus staatlichen Kassen lehnten die beiden Künstler grundsätzlich ab. Allein aus dem Skizzenverkauf haben sie ihre Kunst finanziert.

„Bei unserer Arbeit geht es immer um die Freiheit“, sagte Jeanne- Claude einmal. „Sie ist der Feind von Besitz und Dauerhaftigkeit.“ Ihre Freiheit wollte die Künstlerin auch im Tod behalten: Sie hat ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt.

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