Frauen in Pakistan
Das Gegenteil von Gleichberechtigung

Schlagzeilen macht Pakistan mit Verbindungen zu den Taliban, mutmaßlichen El-Kaida-Ausbildungsstätten und durch wachsenden islamischen Fundamentalismus. Über die Situation der Frauen erfährt man dagegen wenig. Über ihr Leben bestimmen Väter, Brüder und Ehemänner. Einblicke in eine gewalttätige Gesellschaft.

DÜSSELDORF. Benazir Bhutto macht es spannend. Nach langem Taktieren aus dem Londoner Exil will sie nächste Woche das Datum ihrer Rückkehr nach Pakistan bekanntgeben. Die Anhänger der ehemaligen Premierministerin in der Provinz Sindh tanzen schon jetzt auf den Straßen. Obwohl sie das Land seit acht Jahren nicht betreten hat, ist sie noch immer äußerst populär. Ob es zum Deal mit Präsident Pervez Musharraf kommt oder nicht, ihre Chancen auf einen Wahlsieg im Herbst stehen nicht schlecht.

Die wort- und weltgewandte, in Harvard ausgebildete Politikwissenschaftlerin veränderte in ihren beiden Amtszeiten während der 90er-Jahre das Image ihres Landes. Auf einmal wurde Pakistan als moderner Schwellenstaat wahrgenommen, ein enger Freund der USA, mit einer demokratischen Regierung und weiblichen Ministern. Benazir Bhutto verkörperte die moderne islamische Republik – allein durch die Art, den Schleier zu tragen: nicht, um das Haar zu verdecken, sondern als luftiges Accessoire.

Dann kamen Amtsenthebung, Korruptionsvorwürfe und die Flucht ins Ausland. Seit 2000 ist in Pakistan General Musharraf an der Macht, nach einem unblutigen Putsch. Im Kampf gegen den Terror gibt er sich amerikatreu, Schlagzeilen macht Pakistan jedoch mit Verbindungen zu den Taliban, mutmaßlichen El-Kaida-Ausbildungsstätten – auch die drei am Mittwoch im Sauerland gefassten Männer wurden in Pakistan ausgebildet – und durch wachsenden islamischen Fundamentalismus. Blutiger Höhepunkt war vor kurzem die Schlacht um die Rote Moschee in Islamabad.

Die Niederländerin Betsy Udink schildert in „Allah & Eva“ ein drittes Pakistan: Sie schreibt über die Situation der Frauen. Ihr Bericht über viele grausame Schicksale ist nüchtern, sachlich und gerade dadurch erschütternd. Nach der Lektüre werden Bilder aus dem fernen Land verständlicher, bekommt der westliche Leser eine Ahnung vom sozialen Kontext einer feudal geprägten Gesellschaft mit archaischen Verhaltensweisen.

Als Ehefrau eines Diplomaten lebte Betsy Udink von 2002 bis 2005 in Islamabad, reiste viel, beobachtete, recherchierte. Frauen aller gesellschaftlichen Schichten leiden unter willkürlicher Gewalt durch Väter, Brüder, Ehemänner, lautet ihr Fazit. Und sie sind ohne Rechte und Garantien in einer vom Koran geprägten Rechtsprechung.

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