Freigelassener Frachter
„Hansa Stavanger“ unterwegs nach Mombasa

Nach dem die somalischen Piraten den deutschen Frachter "Hansa Stavanger" freigelassen haben, nimmt das Schiff nun Kurs auf die kenianische Hafenstadt Mombasa. Von dort sollen die Seeleute, darunter fünf Deutsche, in ihre Heimatländer zurückfliegen. Derweil hat sich die Reederei dafür gerechtfertigt, dass die Verhandlungen so lange gedauert hatten.

HB BERLIN. Den Besatzungsmitgliedern gehe es nach den Strapazen der vergangenen Wochen den Umständen entsprechend gut erklärte Außenminister Steinmeier. In Sicherheitskreisen hieß es, die "Hansa Stavanger" stehe unter dem Schutz der deutschen Fregatten "Rheinland-Pfalz" und "Brandenburg". Eines der Kriegsschiffe werde den Frachter, der sich derzeit noch vor der somalischen Küste befinde, voraussichtlich bis Mombasa begleiten.

An Bord der "Hansa Stavanger" sind nun deutsche Marinesoldaten und Ärzte. Dies teilte der Reeder Frank Leonhardt, Inhaber von Leonhardt & Blumberg, am Dienstag in Hamburg mit. Sie wurden von der Bundeswehr, die vor Somalia eingesetzt ist, zur Verfügung gestellt. "Für mich hat nun Vorrang, dass sich die Besatzungsmitglieder von den Strapazen der Entführung wieder im Kreis ihrer Familien erholen", sagte Leonhardt. Details zur Lösegeldzahlung wollte er nicht nennen. Nach unbestätigten Meldungen wurden 2,7 Mio. US-Dollar für die Freilassung der 24 Seeleute gezahlt.

Derweil zeigt sich die Reederei der „Hansa Stavanger“ erleichtert über Freilassung: Der Geschäftsführer von Leonhardt und Blumberg, Frank Leonhardt, sagte, er habe sich in einem Telefongespräch davon überzeugen können, dass es den 24 Besatzungsmitgliedern den Umständen entsprechend gut gehe. Er selbst sei froh, erleichtert und freue sich mit den Seeleuten und ihren Angehörigen. Zur Stunde findet eine Pressekonferenz bei der Reederei statt.

Außerdem hat die Hamburger Reederei die monatelange Dauer der Lösegeldverhandlungen mit den Piraten gerechtfertigt. „Einem solchen Gegner muss mit besonnenem statt mit übereiltem Handeln begegnet werden“, sagte Geschäftsführer Leonhardt. „Viele Aussagen der Gegenseite waren wenige Stunden später schon nichts mehr wert.“ Das habe eine Lösung erschwert und viel wertvolle Zeit gekostet. Angaben zur Höhe des Lösegelds machte Leonhardt weiterhin nicht.

Das monatelange Verhandeln bezeichnete Leonhardt als eine „schier unerträglich lange Zeit“ für die Besatzungsmitglieder und deren Angehörige. „Keiner von uns vermag sich vorzustellen, welche unzumutbare seelische Belastung das gewesen ist.“ Der Reeder bezeichnete die Piraten als "skrupellose Kriminelle", die in den vier Monate andauernden Verhandlungen "keine verlässlichen Gesprächspartner" gewesen seien. Den Besatzungsmitgliedern will Leonhardt nun psychologische Betreuung anbieten.

Das Schiff befinde sich zurzeit auf dem Weg nach Mombasa in Kenia, wo es frühestens am Donnerstag ankommen soll. Von dort soll die Besatzung so schnell wie möglich per Flugzeug in ihre Heimatländer zurückfliegen. Unter den 24 Seeleuten sind fünf Deutsche. Die Fahrt könne sich aber noch verzögern, da sich der Frachter in einem schlechten technischen Zustand befinde, sagte ein Reedereisprecher.

Die Piraten hatten die "Hansa Stavanger" und ihre Besatzung am Montag nach vier Monaten freigegeben und dafür nach eigenen Angaben ein Lösegeld von 2,7 Mio. Dollar erhalten. Das 20 000 Tonnen große Schiff war am 4. April 400 Seemeilen von Somalia entfernt gekapert worden. An Bord sind fünf Deutsche, drei Russen, zwei Ukrainer und 14 Philippiner. Ein Versuch, die Seeleute mit Hilfe der Polizei-Elitetruppe GSG neun zu befreien, war vor einigen Wochen kurz vor Beginn der Aktion abgebrochen worden.

Die Piraten machen seit einigen Jahren den vielbefahrenen Seeweg zwischen Europa und Asien im Indischen Ozean und im Golf von Aden unsicher. Sie haben viele Mio. Dollar Lösegeld erpresst. Zur Bekämpfung der Piraterie ist eine internationale Flotte von Kriegsschiffen im Einsatz, an der sich auch die deutsche Marine beteiligt.

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