Für Berliner Star-Eisbären brechen neue Zeiten an
Das Ende der Knut-Show

Eine Million Besucher haben sie gesehen, doch nun ist sie vorbei: die Knut-Show im Berliner Zoo. Überraschend nahm der Tierpark die täglichen Auftritte des Eisbären-Jungen mit seinem Pfleger Thomas Dörflein aus dem Programm, bestätigte Sprecherin Regine Damm am Montag. Knut präsentiert sich nun allein im Kleinbärengehege, ohne das Getobe und die Schwimmausflüge mit Dörflein zur Showstunde am Nachmittag.

HB BERLIN. „Der Bär wird jetzt ziemlich groß“, sagte Damm zur Begründung. Inzwischen wiege er fast 50 Kilo. „Erstmal zählt natürlich die Sicherheit von Herrn Dörflein.“ Der hatte zuletzt häufig blaue Flecken und Schürfwunden von seinen täglichen spielerischen Auftritten mit dem inzwischen sieben Monaten alten Eisbären. „Knut hat mir oft ganz schön wehgetan“, sagte Dörflein der „B.Z.“ „Wenn er seine Wutanfälle hatte, war mit ihm nicht gut Kirschen essen.“

Der letzte Auftritt fand am Sonntagnachmittag statt. Dörflein zeigte sich danach erleichtert. „Ich bin froh“, sagte der 43-Jährige der Zeitung. „Ich kann auch nicht mehr. Ich fühle mich ausgebrannt.“

Dörflein hatte den Anfang Dezember geborenen und von seiner Mutter verstoßenen Eisbären mit der Flasche hochgepäppelt und zeitweise Tag und Nacht mit ihm verbracht. Ende März hatte er das damals erst neun Kilo schwere Bärenbaby erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und damit eine wahre „Knut-Mania“ ausgelöst.

Zehntausende strömten zu den knuffigen Raufereien Dörfleins mit dem schnuckeligen Bären, der in den Wochen darauf in rasantem Tempo wuchs. Der Zoo hatte bereits angekündigt, dass Knut bis August von Dörflein „abgenabelt“ werden muss, weil es sonst für den Pfleger zu gefährlich wird.

Der sagte nun in dem Zeitungsinterview, das Ende seiner öffentlichen Auftritte bedeute nicht, dass er nicht mehr mit Knut spiele. „Es bedeutet nur, dass es keine festen Zeiten mehr gibt.“ Noch müsse Knut seinen „Papa“ auch nicht vermissen. „Ich bin immer noch für ihn da“, sagte Dörflein. „Knut ist doch noch ein Kind, er braucht mich.“ Erst wenn der Eisbär den Berliner Zoo verlasse, „ist es aus. Ich werde ihn nie wieder sehen“.

Noch aber bringt Knut dem Zoo einen wahren Geldsegen. Bis zum Jahresende werden Zusatzeinnahmen von gut fünf Mill. Euro erwartet, die Hälfte davon aus zusätzlichen Eintrittsgeldern, die andere Hälfte aus Knut-Produkten wie Stofftieren, Postkarten und Ähnlichem. Erst vergangene Woche war offiziell der Millionste Knut-Besucher begrüßt worden. Seit Ende März kamen Zählungen des Zoos zufolge zeitweilig mehr als 15 000 Menschen pro Tag - doppelt so viele wie sonst.

Der wortkarge Pfleger Dörflein, der mit Knut ins Rampenlicht kam, sehnt sich offenbar danach, wieder hinter den Kulissen des Bärengeheges zu verschwinden. Der Rummel sei das Schlimmste, bekannte er. „Die Leute wollen Autogramme, wollen mich anfassen.“ Selbst wenn er mit seiner Freundin unterwegs sei, ließen ihn Fremde nicht in Ruhe. Er habe sich überlegt, ob er seinen Bart abnehmen solle, um sich unkenntlich zu machen.

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