Für Kirchenkenner ist der Deutsche ein Außenseiter
Portrait eines Papstkandidaten: Kardinal Ratzinger

Der konservative Kardinal Joseph Ratzinger galt als rechte Hand des kranken Papstes Johannes Paul II. Doch viele Kenner der Römisch-katholischen Kirche glauben nicht, dass der Deutsche einmal neuer Papst werden könnte.

HB VATIKAN-STADT. Vatikan-Kenner gehen vielmehr davon aus, dass der gestrenge 77-Jährige dem im alter von 84 Jahren gestorbenenen Papst nicht nachfolgen wird. „Ratzingers Name taucht auf, weil er der engste Berater des Papstes ist und daher sehr viel Macht besitzt“, heißt es in europäischen Kirchenkreisen. Mit seinen 77 Jahren sei er jedoch schon zu alt. Andere im Vatikan befürchten, die Kirche könnte unter einem Papst Ratzinger noch konservativer als bisher werden. „Es würde einfach so weiter gehen wie bisher, nur noch stärker“, sagt ein frustrierter Kenner des Kirchenstaates. Ein anderer meint, die vatikanische Verwaltung, die Kurie, stütze Ratzinger womöglich gerade deshalb - um eine gewisse Kontinuität sicher zu stellen.

Außerhalb der Mauern des Vatikans bringen etliche Katholiken dafür allerdings wenig Begeisterung auf. „Würde der engste Vertraute des Papstes zu seinem Nachfolger bestimmt, würde dies eine sogar für römische Verhältnisse außergewöhnliche Engstirnigkeit beweisen“, schrieb das liberale katholische Magazin „Commonweal“ in den USA.

Ratzinger selbst wirkt auch nach 24 Jahren im Amt wie das Urbild des Glaubenswächters: Seit 1981 ist er Chef der Glaubenskongregation, der Nachfolgebehörde der Inquisition. Hinter seinem stets höflichen Auftreten verbirgt sich bei dem früheren Theologie-Professor allerdings ein erzkonservative Intellekt, mit dem er theologische Werke auseinander nimmt und sie auf ihre dogmatische Reinheit prüft. Theologen, die abweichende Ideen vertreten, entzieht er die Lehrerlaubnis. Zuletzt widerfuhr dies am Montag dem US-Jesuiten Roger Haight. Er darf keine katholische Theologie mehr lehren, weil sein Buch „Jesus: Symbol Gottes“ nach Ratzingers Worten schwer wiegende Fehler enthält und die Göttlichkeit von Jesus Christus in Frage stellt.

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