Gastro-Tipp
Wo Frankfurts Banker und Börsianer neue Jobs suchen

Kontakten ist in Zeiten wie diesen besonders wichtig. Ob während des Chase Laufs oder in den Wochen danach: Das Handelsblatt nennt Ihnen die Szene-Treffpunkte in Frankfurt.

Aktienkurse ziehen endlos über den Bildschirm und Analysten geben stumm Prognosen ab. Die Banker und Börsianer aber, die am Feitag Abend in der Bistro-Bar Euro Deli einlaufen, beachten Bloomberg TV nicht mehr. Sie nehmen Platz an der ovalen Bar aus dunklem Holz, inmitten des in warmem Rot getünchten Raums. Unter goldgerahmten Spiegeln, auf denen Weisheiten an das wirklich Wichtige im Leben erinnern, lassen diese Gäste die Arbeitswoche hinter sich - mit einem Caipirinha, der Happy Hour wegen im Plastikbecher. Doch wer sagt eigentlich, dass man nach einem langen Tag am besten beim Drink entspannen kann?

Kunstsinnige Berufstätige jedenfalls zieht es in Frankfurt am Main an jedem ersten Donnerstag im Monat ins Städel-Museum zur "Art After Work", einer Führung mit Geschichten zur Kunst. Die Themen zur aktuellen Ausstellung folgen dem Geschmack der Zielgruppe: "Rembrandt, ein Unternehmer?" oder "Rembrandt: Kunst und Kommerz".

Der Prosecco wird beim anschließenden "Get together" im Holbein's gereicht. Der hohe, lichte Raum zwischen zwei Flügeln des Städelschen Kunstinstituts, der gehobene Küche und Piano-Musik bietet, ist rund um die Uhr beliebter Treffpunkt der Frankfurter Finanzbranche - einer der wenigen "drib de Bach", wie Frankfurter die südliche Mainseite nennen. Die meisten Bars, Restaurants und Clubs liegen jedoch "hib de Bach", nördlich des Mains, wo Banker und Börsianer auch arbeiten.

Viele kamen bisher nur für drei, vier Jahre nach Frankfurt und die hohe Kneipen- und Clubdichte spiegelt den Bedarf wieder, schnell Kontakt zu knüpfen, um sich ein wenig zu Hause zu fühlen. Seit aber die Banken Mitarbeiter reihenweise entlassen, wandelt sich das Interesse der Clubbesucher. Auf einmal heißt das Auswahlkriterium nicht mehr: Wo ist es am nettesten? Sondern: Wo sind die Leute, die mir einen Job verschaffen könnten?

Die nüchternen Coffee Shops zwischen Europäischer Zentralbank (EZB), Commerzbank und Alter Oper, die Bistros und Pizzerien an der Fressgass, die "Kantine" der Börsianer Bull + Bear, das heimelige Souper, wo Krawattenträger raffinierte Suppen im Stehen aus getöpferten Schalen löffeln? Sie sind eher Orte für ein rasches Mittagessen oder um endlich mal dem Geschäftspartner, den man nur vom Telefon kennt, beim Kaffee ins Gesicht zu schauen. Der Job ist auch im Euro Deli, einem schicken Lichtblick im trostlosen Finanzdistrikt, immer Thema. "Die Gäste kommen und gehen aber in Gruppen", sagt der Barkeeper. Selten würden hier neue Kontakte geknüpft und Karrieren gemacht.

Wer das sucht, ist im holzig-rustikalen Bitburger in der Hochstraße an der besseren Adresse, ebenso im Da Scialpi gegenüber. Wo Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer & Co. auf der Eckbank gerne mal Maultaschen oder Fleischkäse verspeisen, "sind schon Jobs vergeben worden", weiß eine Mitarbeiterin der Bank Salomon Oppenheim über das Bitburger.

Beziehungen stiftet gezielt die Astor Bar in der Berliner Straße: Zwei Mal pro Monat lädt der Astor-Chef an die "Tafel" und gibt zugleich den Koch und Moderator. Dezentes Licht fällt auf die "Tafelrunde": Die rund 100 Sorten Whisky auf dem raumhohen Barregal und die holzverkleideten Wände strahlen Glühbirnen von hinten an. Das Essen selbst steht im noblen Restaurant Brick im Main Plaza im Mittelpunkt. Dort frönt Sterne-Koch Volker Drkosch dem Liberty Style - was nicht anderes heißt, als dass er mutig Reh mit Schokoladensauce und Hummer mit Papaya-Mus kombiniert. Günstiger aber ebenfalls ambitioniert kocht das Team der Lounge in der Weißadlergasse. Nach Büroschluss wird es dort proppenvoll - für den Kienbaum-Personalberater und seine Freunde ist das orangefarbene Lokal "regelmäßig Auftakt für eine lange Nacht".

Dabei gibt sich das Frankfurter Nachtleben Arbeitnehmer-freundlich: Kaum eine Lokalität in der Bankenmetropole, die nicht Happy Hour oder After-Work-Party im Angebot hat. Ganz vorne dabei war das Monza: Vor drei Jahren legte erstmals einer der DJs, selbst Banker, für seine Kollegen Platten auf. Seitdem ist der Mittwoch im Monza auch für Nicht-Banker ein Jour fixe. Das Gleiche gilt für den Donnerstag im schicken King Kamehameha Club, wo 2002 übrigens die einzigen Pink Slip Partys der Stadt gefeiert wurden - mit mäßiger Begeisterung.

Doch welche großartige Stimmung die KingKa-Hausband schafft, hat sich längst im Rhein-Main-Gebiet herum gesprochen. Nachteil: "Du gehst immer auf Tuchfühlung", sagt der Deutsche-Bank-Angestellte, der einen entspannten Cocktail in der Luna Bar vorzieht. Dafür ist er extra früh gekommen. Denn später am Abend platzt die schnickschnackfreie Bar, die unter anderem der Playboy jüngst zur "Bar des Jahres" gekürt hat, aus allen Nähten.

Alternative: die Havanna Bar, ebenfalls ein Klassiker, die angeblich die besten Drinks aber bestimmt die größte Fensterfront der Stadt zu bieten hat.

Wer es erst nach Mitternacht aus dem Büro schafft und mehr will als Erdnüsse zum Mojito oder eine Tiefkühlpizza zuhause, steuert in Frankfurt das Jimmy's an: Bis morgens um drei kann man in der Hotelbar des Hessischen Hofs kaltes und warmes Essen bestellen, während in roten Ledersesseln ältere Geschäftsleute und müde Messegäste einen Absacker nehmen. Stundenlang können sich ihre Blicke in der geschwungenen Decke und an den holzgetäfelten Wände mit den Ölgemälden verlieren: Very british, sehr gediegen.

Das Gegenteil finden Nachtschwärmer im Living XXL am Fuß der EZB: Achtziger-Jahre-Fans aus allen Berufen drängen sich hier trotz beeindruckender 1100 Quadratmeter unter bunten Lichtern: an der Bar im Eingang, die Treppen rauf zur Tanzfläche und zum Restaurant, wo große Tische für Gruppen weiß eingedeckt sind. "Die Türsteher sollten noch strenger sein", kommentiert daher eine Gruppe Stammgäste die Schlange vor der Tür. Geschmackssache eben: Die Galerie, die Wert auf schicke Abendgarderobe legt, wird von den einen wegen der "lockeren Atmosphäre" bei der After Work Party donnerstags geschätzt, von anderen als "Anmachschuppen" geschmäht.

Im Vergleich dazu ganz unaufgeregt und unkompliziert nähern sich Banker und andere Frankfurter in den traditionsreichen Apfelweinkneipen einander an. So hocken bei Mutter Ernst einträchtig unter vergilbten Fotos und Pokalen alteingesessene Frankfurter und PR-Berater Moritz Hunziger und pflegen ihre "human relations". Und in den Touristen-Lieblingen Wagner und Bemaltes Haus müssen die "Schoppepetzer" - für Nicht-Hessen: Apfelweintrinker - genauso eng zusammen rücken wie im Fichtekränzi, wo die Küche weit über Rippchen und Grüne Soße hinaus geht.

Hier geht es von Natur aus laut und eng zu, das Gespräch mit dem Tischnachbarn ist unvermeidlich. Neben geschäftlichen ergeben sich hier auch Kontakte, die das Privatleben einsamer Job-Hopper bereichern können: "Die meisten privaten Nummern in meinem Handy habe ich hier eingesammelt", erzählt ein Neu-Frankfurter - bei einem Glas Weißbier.

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