Gefährliche Krise
Krise treibt Selbstmord-Rate in die Höhe

Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland wird nach Einschätzung von Experten infolge der Wirtschaftskrise deutlich steigen. Nicht nur Manager, sondern auch Arbeiter sind betroffen.

HB HAMBURG. „Wir haben für Deutschland für 2008 noch keine Zahlen, aber in Frankreich haben es die Statistiken für das vergangene Jahr schon gezeigt“, sagte der Vorsitzende des Nationalen Suizid-Präventionsprogramms, Armin Schmidtke, am Montag in Hamburg.

Besondere Sorge bereitet den Fachleuten die Branche der Zeitarbeiter, bei der besonders viele Beschäftigte in der Krise ihre Anstellung verloren haben. „Zeitarbeiter hoffen immer auf eine festen Job in einem Unternehmen, und genau das ist jetzt nicht der Fall“, erklärte Schmidtke. Zudem weisen gerade Einwanderer eine erhöhte Suizidgefahr auf. „Die Perspektivlosigkeit für Migranten ist in der Krise viel höher als für andere Menschen“, sagte Schmidtke.

Unabhängig davon ist es aus Expertensicht noch immer so, dass sich mehr Menschen selbst das Leben als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Mord und Totschlag oder Aids zu sterben. Nach Einschätzung der Organisation "Angehörige um Suizid" (AGUS) leiden viele Verwandte von Selbstmördern oft ein Leben lang unter Schuldgefühlen. Ein Selbstmord bedeute eine große seelische Belastung für Freunde, Kollegen, Nachbarn, Mitschüler und Vereinskameraden. Damit werden jährlich bundesweit fast 300 000 Menschen neu mit dem Thema konfrontiert. Eigene Schuldgefühle, Schuldzuweisungen aus dem Umfeld und die Frage nach dem Warum summierten sich für viele trauernde Angehörige zu einem Problemberg, sagte AGUS-Geschäftsführerin Elisabeth Brockmann. Häufig seien Depressionen und eigene Selbstmordgedanken die Folge.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention ist die Selbstmordrate bei Männern etwa dreimal so hoch wie bei Frauen. Bei Männern über 70 Jahren steigt sie steil an. Besonders gefährdet sind Menschen mit psychischen Erkrankungen. Häufigste Selbstmordart ist mit 48 Prozent der Tod durch Erhängen oder Strangulieren. Jeder sechste Selbstmörder nimmt Gift, jeder elfte erschießt sich.

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